Berliner Festspiele

Unter dem organisatorischen Dach der Berliner Festspiele sind verschiedene eigenständige Festivals versammelt. Sie stehen in der Stadt Berlin für den internationalen Dialog in Musik, Theater, Tanz, Literatur und Bildender Kunst. Die Veranstaltungen finden hauptsächlich im Haus der Berliner Festspiele statt, aber auch an vielen anderen Orten der Stadt. Neben den Festivals betreuen die Berliner Festspiele auch den Martin-Gropius-Bau, der für archäologische und kulturhistorische Ausstellungen, aber auch mit Ausstellungen moderner Kunst und Fotografie bekannt wurde. Das vielfältige Programmspektrum wird ergänzt durch Vorträge, Diskussionen sowie Bundeswettbewerbe zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses.

Die Berliner Festspiele sind ein Geschäftsbereich der KBB GmbH (Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin).

Seit 2012 ist Thomas Oberender Intendant der Berliner Festspiele.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Festivals und Veranstaltungsreihen der Berliner Festspiele

  • MaerzMusik – Festival für aktuelle Musik (jährlich im März)

Versteht sich als Plattform für die Vielfalt zeitgenössischer Musik. Das Spektrum reicht von Orchester- und Kammermusik über innovatives Musiktheater bis zu medienkünstlerischen Arbeiten und stößt in Bereiche der Klang- und Bildproduktion mit neuesten Technologien vor. MaerzMusik ist das Nachfolgefestival der Musik-Biennale Berlin. Das 1967 in Ost-Berlin gegründete Internationale Fest für zeitgenössische Musik wurde von 1991 bis 2001 durch die Berliner Festspiele fortgeführt.

Das Theatertreffen präsentiert die die zehn bemerkenswertesten Aufführungen einer Theater-Spielzeit des deutschsprachigen Raums. Die Inszenierungen werden von einer unabhängigen Jury aus sieben Theaterkritikern ausgewählt. Es gilt als wichtigstes Festival des deutschsprachigen Theaters. Zum Programm des Theatertreffens gehören auch der Stückemarkt mit Lesungen neuer Werke junger deutscher und internationaler Dramatiker und das Internationale Forum junger Bühnenangehöriger mit Workshops und Diskussionen. Das Theatertreffen fand 1964 erstmals als „Berliner Theaterwettbewerb“ statt.

Das in Kooperation mit der Stiftung Berliner Philharmoniker 2005 erstmals veranstaltete Musikfest Berlin widmet sich insbesondere der Aufgabe, neben bedeutenden Werken des symphonischen Repertoires auch das Unbekannte und Neue zu präsentieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Gastspielen großer internationaler Orchester mit bedeutenden Dirigenten und Solisten sowie auf Konzerten der Orchester Berlins. Das Musikfest Berlin ist Nachfolgefestival der traditionsreichen Berliner Festwochen, die 1951 gegründet wurden.

Mehr als 100 Autoren aus aller Welt gestalten rund 200 Veranstaltungen mit Prosa, Lyrik, Gesprächen und politischen Diskussionen. Außerdem präsentieren rund 20 internationale Kinder- und Jugendbuchautoren ihre neuesten Werke. Das internationale literaturfestival berlin findet seit 2005 im Haus der Berliner Festspiele statt.

Die künstlerischen Konzepte des JazzFest Berlin dokumentieren seit über vier Jahrzehnten musikalische Trends im Jazz. Als „Berliner Jazztage“ 1964 gegründet, genießt das Festival den Ruf eines progressiven und zugleich traditionsbewussten Jazzereignisses europäischer Prägung. Die etablierten US-Stars des Jazz sind dabei ebenso gegenwärtig wie Musiker, die den Jazz in Richtung Elektronik, Pop, Ethno- oder Neue Musik öffnen.

Dieses 2004 gegründete Festival stellt aktuelle Produktionen der internationalen Theater- und Tanzszene mit zahlreichen Ur- und Erstaufführungen und Koproduktionen vor. Bedeutende Regisseure und Choreografen wie Pina Bausch, Peter Brook, Patrice Chéreau, Robert Lepage und Robert Wilson sind zu Gast. spielzeiteuropa hat sich aus immer wiederkehrenden großen Theater-Gastspielen und Vorgänger-Festivals wie „Theaterwelten“ entwickelt.

In mehr als 120 Sonntagsmatineen haben Persönlichkeiten der Zeit- und Kulturgeschichte im Renaissance-Theater ihre Sicht auf die Welt geschildert. Politiker, Gelehrte, Musiker, Sportler, Unternehmer und Schriftsteller. Zeugen dieses Jahrhunderts wie Madeleine Albright, Harry Belafonte, Willy Brandt, Christo, Michail Gorbatschow, Helmut Newton, György Konrad, Gidon Kremer, Orhan Pamuk, Peter Ustinov. Zur 750-Jahrfeier der Stadt Berlin im Jahre 1987 ins Leben gerufen, hat sich die Vortragsreihe in Zusammenarbeit mit der ZEIT-Stiftung als Forum der geistigen Auseinandersetzung bewährt. Die Reihe endete im Februar 2012.

Jugendprojekte

Ein besonderes Anliegen der Berliner Festspiele ist die Nachwuchsförderung. Drei Bundeswettbewerbe, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, richten sich speziell an jugendliche Teilnehmer:

Zu den jährlichen Treffen gehören Workshops, Begegnungen und Gespräche mit Schriftstellern, Musikern, Theaterleuten, Journalisten und Verlegern.

[Bearbeiten] Geschichte der Berliner Festspiele

1951 fanden im Westteil Berlins zum ersten Mal die Berliner Festwochen und die Internationalen Filmfestspiele statt. Politisch gedacht als „Schaufenster des Westens“ auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges – wirkten beide Festivals jedoch von Beginn als kultureller Brückenschlag zwischen Ost und West.

Im Laufe der Zeit erweiterten sie sich zu den Berliner Festspielen, einem Komplex eigenständiger, gedanklich eng verbundener kultureller Veranstaltungen über das ganze Jahr hinweg. Die Festspiele im ersten Nachkriegsjahrzehnt bemühten sich vor allem darum, das Publikum wieder mit den internationalen Entwicklungen in Musik und Theater vertraut zu machen, von denen sich das faschistische Deutschland von 1933 bis 1945 isoliert hatte. 1951 gastierte Marcel Marceau zum ersten Mal in Berlin, 1952 kamen George Balanchine mit dem New York City Ballet und das Théâtre National Populaire Jean Vilars mit Gérard Philipe und der damals noch unbekannten Jeanne Moreau, 1953 Giorgio Strehler mit dem Piccolo Teatro di Milano. Die Sensation der Festwochen 1955 ist das Gastspiel der Mailänder Scala mit Karajan und der Callas in der Titelrolle von Lucia di Lammermoor. Die Berliner Festspiele brachten die Begegnung mit dem Werk von Eugène Ionesco, Samuel Beckett und Edward Albee, mit der Theaterarbeit von Jean-Louis Barrault, Ingmar Bergman, Peter Brook, Patrice Chéreau, Tadeusz Kantor, Ariane Mnouchkine, Luca Ronconi, Robert Wilson und dem choreographischen Schaffen von Martha Graham, Pina Bausch, Merce Cunningham, William Forsythe.

Das Theaterleben der Berliner Festspiele spiegelte immer den Geist der Epoche wider, kennzeichnete Aufbruch und Endzeit - ob das Gastspiel des revolutionären Living Theatre (1966), die Erstaufführung von Hans Werner Henzes Cimarron (1970) oder George Taboris Vietnam-Stück Pinkville (1971) auf dem Programm standen, oder ob der letzte Vorhang für Das Rote Frauenbataillon in den Tagen des Sturzes von Mao Tse-tungs Erben in Berlin fiel (1976). Das deutschsprachige Theater fand im seit 1963 stattfindenden Berliner Theatertreffen ein Forum der lebendigen Auseinandersetzung.

In den siebziger Jahren verlor der Ost-West-Konflikt im Zuge der Entspannungspolitik seine alles beherrschende Position - die Kluft zwischen der nördlichen und der südlichen Hemisphäre wurde umso deutlicher, aber auch die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem kulturellen Reichtum der damals noch so genannten „Dritten Welt“ wuchs spürbar. 1979 veranstalteten die Berliner Festspiele das erste Horizonte - Festival der Weltkulturen mit Künstlern aus Afrika. Thematisch folgten Lateinamerika, Ostasien und der Orient. Der Erfolg dieser Veranstaltungen gab den Anstoß, 1989 auf der Grundlage eines Konzepts der Berliner Festspiele einen dauerhaften Ort der Auseinandersetzung mit der nichteuropäischen Welt zu begründen: das Haus der Kulturen der Welt in der ehemaligen Kongresshalle im Tiergarten.

1981 wurde der Martin-Gropius-Bau mit der Aufsehen erregenden Ausstellung Preußen. Versuch einer Bilanz wieder eröffnet. Das war der Beginn einer Reihe großer kultur- und kunsthistorischer Ausstellungen. Es folgten u.a. Palastmuseum Peking - Schätze aus der verlorenen Stadt (1985); Japan und Europa (1993); Jüdische Lebenswelten (1992); Moskau-Berlin, Berlin-Moskau (1995/96), Deutschlandbilder – Kunst aus einem geteilten Land. Im Jahr 2000 stand ein „Theatrum mundi“ der Gegenwart und ein Ausblick auf die Zukunft an: 7 Hügel – Bilder und Zeichen des 21. Jahrhunderts. 2006 war die spektakuläre Ausstellung Ägyptens versunkene Schätze zu sehen und eine umfassende Retrospektive der bildenden Künstlerin Rebecca Horn.

Besonderer Höhepunkt der Festspiel-Geschichte war 1987 die 750-Jahrfeier der Stadt Berlin mit ihrem umfangreichen Angebot an Ausstellungen, Musik, Theater, Film und Open-Air-Veranstaltungen, das unter Verantwortung der Berliner Festspiele stand.

Herzstück der Berliner Festwochen war immer die Musik, 2005 wurden sie in das Musikfest Berlin überführt. Viele erstrangige Orchester, Solisten und Dirigenten (zum Beispiel Wilhelm Furtwängler, Leonard Bernstein, Karl Böhm, Herbert von Karajan, Claudio Abbado, Daniel Barenboim und Sir Simon Rattle) begeisterten das Festspielpublikum. Die Berliner Festspiele waren und sind dabei auch ein Ort der musikalischen Wiederbegegnungen - von Igor Strawinsky, der hier 1961 Persephone und Oedipus Rex dirigierte, bis hin zu dem Konzert, das Vladimir Horowitz 1986 gab, nach über 50 Jahren erstmals wieder in Deutschland.

Der Förderung der zeitgenössischen Musik haben sich die Festspiele, bei aller Traditionspflege, in besonderer Weise verschrieben. Über 1000 Auftragsproduktionen, Ur- und Erstaufführungen sowie umfassende Werkübersichten verzeichnet die Chronik. Darunter befinden sich Kompositionen von Pierre Boulez, John Cage, Hans Werner Henze, Olivier Messiaen, Mauricio Kagel, György Kurtág, Luigi Nono, Wolfgang Rihm, Kaija Saariaho, Karlheinz Stockhausen, Isang Yun.

Mit dem Antritt von Joachim Sartorius als Intendant der Berliner Festspiele im Jahre 2001 wurde in verstärktem Maße die aktuelle, junge Musik- und Theaterszene gefördert. Neue Formate haben jüngere Publikumsschichten als Zielgruppe: die Festwochen wurden zum „Musikfest Berlin“ und zur „spielzeiteuropa“, die Musikbiennale zu „MaerzMusik – Festival für aktuelle Musik“. Das 2005 hinzugekommene „internationale literaturfestival berlin“ ergänzt die Festivalaktivitäten, die damit einen umfassenden kulturellen Blick ermöglichen.

2012 übernahm Thomas Oberender die Leitung der Berliner Festspiele.

[Bearbeiten] Berliner Festspiele im Überblick

Jahr Geschehen
1951 Gründung der Berliner Festspiele. Finanzierung zunächst durch die westlichen Alliierten, ab 1953 durch das Land Berlin. Zusammen mit den Internationalen Filmfestspielen wurde eine organisatorische Einheit als nachgeordnete Behörde geschaffen.
1951 1. Internationale Filmfestspiele Berlin und 1. Berliner Festwochen: 153.000 Besucher in 250 Vorstellungen
1951 bis 1962 Intendant: Gerhart von Westermann
1963 Intendant: Wolfgang Stresemann
1964 bis 1967 Intendant: Nicolas Nabokov
1964 1. Berliner Theaterwettbewerb – ab 1966 Theatertreffen und 1. Berliner Jazztage (Leitung: Joachim Ernst Berendt) – ab 1981 JazzFest Berlin
1967 Gründung der Berliner Festspiele GmbH. Die Finanzierung wird zu gleichen Teilen vom Land Berlin und der Bundesrepublik Deutschland übernommen.
1968 Intendant: Peter Löffler
1969 bis 1972 Intendant: Walther Schmieding
1973 bis 2000 Intendant: Ulrich Eckhardt
1977 Umzug aus der Bundesallee in die Budapester Str. 48/50
1979 bis 1989 Horizonte – Festival der Weltkulturen (alle drei Jahre). 1989 geht daraus die ehemalige Kongresshalle als eigenständiges Haus der Kulturen der Welt hervor.
1980 1. Schüler-Theatertreffen – ab 1985 Theatertreffen der Jugend, die Ergebnisse des Bundeswettbewerbs Schüler machen Theater.
1981 Mit der Ausstellung Preußen – Versuch einer Bilanz wird im Rahmen der Berliner Festwochen der Martin-Gropius-Bau wiedereröffnet. Die Berliner Festspiele beginnen damit eine lange Reihe bedeutender kunsthistorischer Ausstellungen.
1984 1. Treffen Junger Liedermacher – ab 1991 Treffen Junge Musik-Szene zeigt Ergebnisse des Bundeswettbewerbs Schüler machen Lieder.
1986 1. Treffen Junger Autoren – vorgestellt werden die Ergebnisse des Bundeswettbewerbs Schüler schreiben.
1987 Konzeption und Durchführung der Feierlichkeiten zur 750-Jahr Feier der Stadt Berlin u.a. mit Stadtfest, SternStunden und Wasserkorso. Zum ersten Mal Berliner Lektionen im Renaissance-Theater. Aus der Ausstellung Topographie des Terrors entsteht eine eigenständige Stiftung.
1988 Musiksommer und weitere Veranstaltungen im Rahmen von E 88 – Berlin Kulturstadt Europas.
1991 Die Musik-Biennale Berlin wird aus der ehemaligen DDR übernommen
1999 bis 2001 Koordination der Feierlichkeiten zur Jahrtausendwende in Berlin, u.a. Ausstellung 7 Hügel – Bilder und Zeichen des 21. Jahrhunderts im Martin-Gropius-Bau.
2001 bis 2011 Intendant: Joachim Sartorius
2001 Umzug in die ehemalige Freie Volksbühne, Schaperstraße 24. Die Berliner Festspiele haben damit erstmals ein eigenes Theater: das Haus der Berliner Festspiele. Sie werden jetzt ausschließlich durch den Bund finanziert.
2002 1. MaerzMusik – Festival für aktuelle Musik in der Nachfolge der Musik-Biennale Berlin.
2002 Fusion mit dem Haus der Kulturen der Welt, dem Martin-Gropius-Bau und den Internationalen Filmfestspielen Berlin zur Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB).
2004 1. spielzeiteuropa – Internationale Tanz- und Theatergastspiele im Haus der Berliner Festspiele.
2005 1. Musikfest Berlin in Zusammenarbeit mit der Stiftung Berliner Philharmoniker, als Nachfolge-Festival der Festwochen. Das 2001 gegründete internationale literaturfestival berlin wird in die Obhut der Berliner Festspiele übernommen.
Seit 2012 Intendant: Thomas Oberender

[Bearbeiten] Häuser der Berliner Festspiele

[Bearbeiten] Weblinks


Quelle: Wikipedia. Aktualisiert: 05/22/12, 1:56 am

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