Berliner Zeitung
Dieser Artikel behandelt eine seit 1945 in Berlin erscheinende Tageszeitung. Zu weiteren gleichnamigen Publikationen siehe Berliner Zeitung (Begriffsklärung).
Berliner Zeitung
Schriftzug
Beschreibung Berliner Tageszeitung
Verlag Berliner Verlag GmbH
Erstausgabe 21. Mai 1945
Erscheinungsweise täglich von Montag bis Sonnabend
Verkaufte Auflage (IVW 1/2012, Mo-Sa) 139.775 Exemplare
Reichweite (MA 2008  ) 0,4 Mio. Leser
Chefredakteur Uwe Vorkötter
Herausgeber Berliner Verlag GmbH
Weblink berliner-zeitung.de
Artikelarchiv 1994 ff.
ISSN 0947-174X

Die Berliner Zeitung ist eine 1945 gegründete regionale Tageszeitung aus Berlin. Sie ist mit einer verkauften Auflage von 139.775 Exemplaren[1] und täglich 400.000 Lesern[2] die größte Abonnementzeitung der Region Berlin-Brandenburg und wird vor allem in den östlichen Bezirken der Bundeshauptstadt gelesen. Chefredakteur ist seit 1. Juni 2009 Uwe Vorkötter, der das Blatt bereits von 2002 bis 2006 geleitet hatte.[3]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Die Berliner Zeitung erschien von 1945 bis zur Wiedervereinigung der Stadt in Ost-Berlin.

Die erste Ausgabe der Berliner Zeitung erschien am 21. Mai 1945 mit der Schlagzeile Berlin lebt auf! zum Preis von 10 Pfennig. Anfangs trug sie den Untertitel „Organ des Kommandos der Roten Armee“. Erster Chefredakteur war der sowjetische Oberst Alexander Kirsanow. Die Redaktion setzte sich aus sowjetischen Offizieren, Widerstandskämpfern und Mitgliedern der KPD zusammen. Später kamen auch andere, weitgehend unbelastete Journalisten hinzu. Gedruckt wurde die Zeitung zunächst in einer kleinen Druckerei in der Urbanstraße in Berlin-Kreuzberg.

Im Juli 1945 ging die Herausgeberschaft auf den Magistrat der Stadt Berlin über. Die Chefredaktion übernahm Rudolf Herrnstadt, ein früherer Mitarbeiter des Berliner Tageblatts und ehemaliger Agent des sowjetischen Auslandsgeheimdienstes GRU. Auch Fritz Erpenbeck war eine wichtige Persönlichkeit in der Gründungsphase. Beiden gelang es, für eine kurze Zeit auch Helmut Kindler für eine Mitarbeit zu gewinnen. Zunächst hatte die Redaktion ihren Sitz in einem verlassenen Haus in Berlin-Friedrichsfelde, zog aber später in das Haus Lindenstraße 41 in Berlin-Mitte um. Ab dem 2. August 1945 erhielt der Titel den Zusatz „Amtliches Organ des Magistrats von Berlin“.[4]

1953 wurde die Berliner Zeitung dem Zentralkomitee der SED unterstellt. Die Tageszeitung der DDR-Hauptstadt, mit einer Auflage von über 345.000 Exemplaren täglich, firmierte nicht als Organ der Berliner SED-Bezirksleitung wie die 14 anderen Bezirkszeitungen der DDR, sondern der Berliner Verlag trat als Herausgeber auf; die Berichterstattung war teilweise etwas offener und kritischer. Dennoch ist die Berliner Zeitung in dieser Zeit dem SED-Pressemonopol zuzurechnen.

Schon vor der Wiedervereinigung 1990 gingen der Berliner Verlag und damit die Berliner Zeitung sowie die BZ am Abend von der PDS an ein Joint Venture von Maxwell Communications und Gruner + Jahr. 1992 übernahm der Verlag Gruner + Jahr die Berliner Zeitung und versuchte mit einem enormen finanziellen Aufwand, die größte Zeitung Ostberlins in eine „Hauptstadtzeitung“ umzuwandeln. Erich Böhme, prominenter Herausgeber von 1990 bis 1994, formulierte den Anspruch, die Berliner Zeitung zur „deutschen Washington Post“ zu machen. Dieser gilt in der Zeitungsbranche als bisher nicht erfüllt.

Nachdem Gruner + Jahr sich entschlossen hatte aus dem Tageszeitungsgeschäft auszusteigen, übernahm die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck im Juni 2002 den Berliner Verlag. Diese Übernahme wurde jedoch 2004 vom Bundeskartellamt untersagt, denn Holtzbrinck hatte bereits 1992 die Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel gekauft und hätte somit in Berlin auf dem Sektor der Abonnentenzeitungen eine marktbeherrschende Stellung erhalten.

Die Verlagsgruppe Holtzbrinck verkaufte daher im Herbst 2005 den Berliner Verlag für geschätzte 150 bis 180 Millionen Euro an die BV Deutsche Zeitungsholding. Die Übernahmepläne waren nach deren Bekanntgabe innerhalb des Verlages auf starke Kritik gestoßen, weil befürchtet wurde, dass zu hohe Renditeerwartungen des britischen Medienmanagers David Montgomery die journalistische Qualität der Zeitung beeinträchtigen könnten. Ebenfalls wurde kritisiert, dass Chefredakteur Josef Depenbrock gleichzeitig als Geschäftsführer fungierte. Mit dem Verkauf des Berliner Verlages war erstmals ein deutsches Zeitungshaus in den Besitz eines ausländischen Finanzinvestors gelangt.

Die Enttarnung von zwei Mitarbeitern der Berliner Zeitung als Stasi-IMs im März 2008 brachte das Blatt in die Schlagzeilen. In einem Artikel vom 1. April 2008 kündigte Chefredakteur Depenbrock, der um die Glaubwürdigkeit seines Blattes fürchtete, Aufklärung an. Man werde „jeden einzelnen Journalisten dieser Redaktion überprüfen und auch möglichst die Akten der Birthler-Behörde sichten“. Die Untersuchung sollte von Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin und der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) durchgeführt werden, die das Projekt wenige Tage später jedoch ablehnten.

Am 13. Januar 2009 teilte der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg mit, dass er die Aktivitäten der Mecom Group in Deutschland inklusive der Berliner Zeitung übernehmen werde.[5] Mecom erzielte nach eigenen Angaben für die gesamten Publikationen einen Verkaufspreis von 152 Millionen Euro.[6] Im März 2009 wurde der Verkauf durch die Zustimmung der Mecom-Gesellschafter rechtskräftig. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die DuMont-Gruppe 35 Prozent der Holding, deren Teil die Berliner Zeitung ist (PMB, Presse- und Medienhaus Berlin, mit den Beteiligungen an der Berliner Zeitung, Berliner Kurier, Tip, Berliner Abendblatt, Hamburger Morgenpost und der Netzeitung) an den Kölner Heinen-Verlag (Helmut Heinen) weiterverkauft hat.

Seit April 2010 ist die Berliner Zeitung Teil der „DuMont-Redaktionsgemeinschaft“, der auch die Frankfurter Rundschau, der Kölner Stadt-Anzeiger und die Mitteldeutsche Zeitung angehören.[7] DuMont Schauberg gab im April 2011 bekannt, dass ab voraussichtlich Sommer 2011 die überregionalen Mantelteile der Frankfurter Rundschau ebenfalls in Berlin produziert werden (das Personal der Berliner Zeitung wird dazu um einige Journalisten aus Frankfurt ergänzt). Uwe Vorkötter soll Chefredakteur beider Titel werden.[8]

Bereits seit 1877 erschien eine Berliner Zeitung, aus der die während der deutschen Teilung nur in West-Berlin erscheinende Boulevardzeitung B.Z. (Ullstein Verlag) hervorging.

[Bearbeiten] Chefredakteure

Bisherige Chefredakteure der Berliner Zeitung:[9]

Mai – Juli 1945 Oberst Alexander Kirsanow
Juli 1945 – Mai 1949 Rudolf Herrnstadt
Mai – Juli 1949 Gerhard Kegel
Juli – September 1949 Georg Stibi
1949–1955 Günther Kertzscher
1955–1957 Erich Henschke
1957–1961 Theo Grandy
1961–1965 Joachim Herrmann
1965–1972 Rolf Lehnert
1972–1989 Dieter Kerschek
1989–1996 Hans Eggert
1996–1998 Michael Maier
1999–2001 Martin E. Süskind
2002–2006 Uwe Vorkötter
2006–2009 Josef Depenbrock
seit 2009 Uwe Vorkötter

[Bearbeiten] Literatur

  • Berliner Zeitung (BZ). Berliner Verlag, Berlin 1.1945,1 (21. Mai) ff.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. laut IVW, erstes Quartal 2012, Mo-Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  2. Media-Analyse 2008 laut BZ
  3. Artikel in der Berliner Zeitung zur Rückkehr Vorkötters
  4. Peter de Mendelsohn: Zeitungsstadt Berlin. Frankfurt/Main-Berlin-Wien 1982, S. 512 f.
  5. Pressemitteilung der M. DuMont Schauberg-Gruppe zum Kauf
  6. Pressemitteilung von Mecom zum Verkauf
  7. Uwe Vorkötter: In eigener Sache. In: Berliner Zeitung, 26. April 2010.
  8. Verlag streicht Traditionsblatt zusammen In: Spiegel online, 1. April 2011
  9. Franziska Walser: Die Chefredakteure. (PDF) In: Berliner Zeitung, 19. Mai 2010, S. 15. (Beilage 65 Jahre Berliner Zeitung)

Quelle: Wikipedia. Aktualisiert: 05/22/12, 2:21 am

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