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Engelbert Zaschka
Unterschrift zum Hubschrauber-Patent
Engelbert Zaschka (* 1. September 1895 in Freiburg im Breisgau; † 26. Juni 1955 ebenda)[1][2] war ein deutscher Oberingenieur[3], Konstrukteur und Erfinder.[4] Zaschka zählt zu den ersten deutschen Hubschrauberpionieren. Er ist markanter Vertreter des Rotationsflugzeugs, einer − nach Zaschka − eigenen Klassifikation unter den Drehflügelflugzeugsystemen.[5] Zaschka entwickelte und konstruierte 1929 den ersten zerlegbaren[6] und faltbaren Kleinwagen (Threewheeler) und 1934 ein frühes Muskelkraft-Flugzeug.[7] Als Autor veröffentlichte er 1936 eine der ersten in deutscher Sprache verfassten Schriften über das Wesen des Trag- und Hubschraubers und ist darüber hinaus Verfasser diverser technischer Fachartikel. Zaschka war von 1921 bis 1925 Chefkonstrukteur des Motorrads Orionette der Orionette AG für Motorfahrzeuge in der Berliner Oranienstraße 6. Er entwickelte und konstruierte darüber hinaus eigene Motorsysteme. Als anerkanntem technischem Erfinder wurden Zaschka mehrere nationale und internationale Patente erteilt.[8]
[Bearbeiten] Erfinder und Ingenieur[Bearbeiten] Trag- und Hubschrauber sowie Muskelkraft-Flugzeug[Bearbeiten] Zaschka-Rotationsflugzeug
Engelbert Zaschka mit Rotationsflugzeug (1930), Aufnahme aus dem Bundesarchiv
Am Ende der Goldenen Zwanziger (1920er Jahre), in den Jahren 1926/1927, konstruierte und präsentierte der in Freiburg im Breisgau geborene und in Berlin ansässige Oberingenieur Engelbert Zaschka einen der ersten Vorläufer des Trag- und Hubschraubers. Der grundlegende Entwurf der Maschine ist in Zaschkas deutschen Patent Nr. 573 961 beschrieben, das am 18./19. Juni 1926 im Deutschen Reich (Weimarer Republik) eingereicht wurde, mit „Hubschraubenflugzeug“ betitelt. Seine Erfindung wurde in der Folgezeit neben Deutschland in den USA, Großbritannien, Frankreich, Schweiz, und Dänemark patentiert.[9] Bei Zaschkas Erfindung handelt es sich um einen Drehflügler, einen kombinierten Trag- und Hubschrauber, der mit zwei Rotoren ausgestattet war. Im Unterschied zu den bis damals bekannten Drehflüglern, waren die Rotoren des Zaschka-Rotationsflugzeugs mit einer zwei Kreiseln wirksamen Schwungmasse zwangsläufig rotierend verbunden.[10] Mit dieser Technik wurde die Gleichgewichtsregelung des Flugapparates realisiert.[11] Die Anordnung ermöglichte mit abgestelltem Motor den gefahrlosen senkrechten Gleitflug auszuführen.[10] In Zaschkas Patent „Hubschraubenflugzeug“, das er im Jahre 1926 in Deutschland einreichte, heißt es wörtlich:
Bei einer im Jahr 1927 konstruierten Versuchsmaschine wurde eine mit 14 Metern Durchmesser rotierende Hubschraube auf einem Prüfstand aufmontiert. Zaschka gelang es mit einer Motorleistung von 15 PS den 360 Kilogramm schweren Apparat vom Erdboden starten zu lassen. Die rotierende Tragfläche machte dabei 100 Umdrehungen pro Minute, wenn der Kreisel eine Drehzahl von 1450 min−1 hatte.[12] Wegen fehlender finanzieller Mittel konnte diese Versuchsreihe nicht beendet werden.[10]
Flughafen Berlin-Tempelhof, Modell des Zaschka-Rotationsflugzeuges (1930), Aufnahme aus dem Bundesarchiv
Bild und Text aus dem Bundesarchiv: „Das Rotationsflugzeug der Zukunft! Das Rotationsflugzeug des deutschen Ing. Zaschka, dessen rotierende Tragfläche 1.400 Umdrehungen in der Minute macht, konnte auf dem Prüfstand senkrecht starten.“[13]
Das Zaschka Muskelkraft-Flugzeug, Berlin 1934
Am Flughafen Berlin-Tempelhof führte Zaschka 1928 Experimente mit einem weiteren Modell, dem Zaschka Helikopter bzw. Rotationsflugzeug, welches 7 Meter groß und mit einem 300 cm³ DKW-Motor ausgestattet war, durch.[10] Wenngleich die Bemühungen dieser ersten technischen Versuche nur knapp über dem Erdboden ausgeführt werden konnten, wurde deutlich, dass beim Abbremsen des Motors der Apparat langsam auf den Erdboden absank.[10] Somit wurde kurz vor dem Aufsetzen das beabsichtigte Ergebnis erzielt.[3] Das Testfahrgestell des Gerätes diente dabei zur Entwicklung eines leistungsfähigen Propeller-Antriebs, der bereits mit einem Gyroskop ausgestattet war. Damit wurde die Achse gegen Wind oder gegen Nebeneffekte der Steuerung stabilisiert. Andernsfalls wäre das Fluggerät nur sehr schwer steuerbar gewesen. Das Kreiselinstrument diente demnach auch als Energiespeicher für einen Gleitflug. Vom Führersitz aus waren die Anstellwinkel der rotierenden Flügelblätter verstellbar, sodass die Höhensteuerung erfolgen konnte. Durch eine am Rumpfende sitzende Luftschraube konnte der Horizontalflug eingeleitet werden. Der Vortriebspropeller, der für den Horizontalflug Verwendung finden sollte, wurde jedoch in der Praxis nicht mehr erprobt. Die finanziellen Mittel für weitere Testläufe und Weiterentwicklungen fehlten. Erst im Jahr 1936 gelang es Henrich Focke und Gerd Achgelis mit dem Modell Focke-Wulf Fw 61 den ersten voll steuerbaren Hubschrauber hervorzubringen. Engelbert Zaschka lebte in den 1920er Jahren in der Selchower Straße 15/16 in Berlin-Neukölln.[14] [Bearbeiten] Zaschka Muskelkraft-FlugzeugIm Jahre 1934[7] präsentierte er das Zaschka Muskelkraft-Flugzeug (Zaschka Human-Power Aircraft, abgekürzt: HPA).[15] Die Konstruktion kam einem großen menschlich-angetriebenen Eindecker gleich. Es wurde mit einem schmalen Flügel, der ungefähr 20 Meter überspannte, ausgestattet. Der Rahmen des Zaschka Muskelkraft-Flugzeugs bestand aus Stahlrohren. Zum Starten wurde das Flugzeug von bis zu vier Männern auf die nominale Fluggeschwindigkeit beschleunigt. Bei Flugversuchen am 11. Juli 1934[16] konnte Engelbert Zaschka mit dem Flugzeug in Tempelhof ohne fremde Starthilfe Schwebeflüge von 20 Meter Länge erreichen.[16] Somit handelte es sich um einen durch Muskeln angetriebenen Flug ohne Startgerät.[17] [Bearbeiten] Automobil- und Motorrad-Konstruktion[Bearbeiten] Motorrad: Die deutsche Orionette (1921−1925)Darüber hinaus war Engelbert Zaschka als Chefkonstrukteur der Orion Aktiengesellschaft für Motorfahrzeuge in Berlin[18] bei dem Bau des Motorrads Orionette in den Jahren 1921 bis 1925 maßgeblich beteiligt. Das Unternehmen ist auch unter dem Namen Orionette AG für Motorfahrzeuge[19] bekannt und war im Südosten Berlins ansässig. Zaschka konnte seine eigene Konstruktion verwirklichen, die schließlich in Serie gefertigt wurde. Der heute unter Denkmalschutz stehende Komplex Industriehof Oranienstraße Hausnummer 6 [20] in Berlin-Kreuzberg war in den 1920er und 1930er Jahren Unternehmensstandort der Orionette AG und Herstellungsort der Orionette.[21] Die Orionette AG war eines der wichtigsten Berliner Unternehmen für Auto- und Motorradbau der 1920er Jahre.[22] [Bearbeiten] Faltbares Auto: Zaschka-Threewheeler
Richard Buckminster Fuller orientierte sich bei der Konstruktion seines Dymaxion Cars (1933) an Zaschkas Faltauto
Engelbert Zaschka präsentierte im Jahr 1929 in Berlin[23] den ersten zerlegbaren[24] Kleinwagen (Faltauto) − auch Threewheeler genannt [23]. Zaschkas Erfindung konnte schnell zusammengebaut und in der Wohnung abgestellt werden. Das Auto war in drei Teile zerlegbar. Ganz nach der Devise: Kleinwagenkäufer sind sparsame Leute; eine Garage wäre für sie ein unbezahlbarer Luxus. An dem Rohrrahmen des originellen Gefährts war ein Leichtbaugerippe befestigt, welches mit Stoff beziehungsweise Vinyl umkleidet wurde.[25] Zu jener Zeit war schon die Herstellung des Rohrahmens erheblich zu teuer. Eine selbsttragende Ganzstahlkarosserie wäre die Lösung gewesen, die jedoch mit einigem Aufwand bei potentiellen Besitzern verbunden gewesen wäre. Das Faltauto hätte dadurch ein noch höheres Gewicht gehabt. Die beiden Vorderräder waren einzeln aufgehängt, das Hinterrad kam dem eines Motorrads gleich, da Dämpfung und Aufhängung dies assoziierten.[25] Eine Verbundkonstruktion, an deren beiden Enden mechanische Aggregate befestigt waren, ersetzte das eigenständige Fahrgestell.[25] Der luftgekühlte Einzylindermotor befand sich im Heck des Dreiradfahrzeugs, der über ein Stirnradgetriebe das Hinterrad antrieb, sodass folglich die vordere Kühlermaske lediglich eine Attrappe darstellte. Ein hinten liegender Motor sei unabdingbar, solange keine billigere und sichere Vorderradantriebskonstruktion existiere, äußerte sich Zaschka. Motor und Getriebe sollten fest verblockt bleiben.[25] Der zerlegbare Zaschka-Kleinwagen war derart entworfen, dass er innerhalb von 20 Minuten auseinander genommen werden konnte. Der Aufbau dauerte ebenfalls ungefähr 20 Minuten.[26] Es erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 40 bis 50 km/h.[26] Für eine serielle Fertigung des Fahrzeuges war der Aufwand einer selbsttragenden Karosserie letztlich zu hoch. Nach der Konzeption des Automobils wäre Stahlblech zu schwer gewesen und Materialien wie Gummibeton oder Panzerholz waren vielmehr als Ideen und Wunschvorstellung zu verstehen. Mehr als 1000 Reichsmark sollte der transportable Wagen nicht kosten. Zaschka scheiterte an einer seriellen Fertigung seines Kleinwagens letztlich daran, dass in jener Zeit fast kein Bauteil richtig ausgereift war.[25] Das zerlegbare dreirädrige Automobil von Engelbert Zaschka umfasste Funktionen, die für den amerikanischen Architekten und Ingenieur Richard Buckminster Fuller von Bedeutung waren. Zaschkas zerlegbarer Kleinwagen war ein Dreirad-Auto, wie Fullers Dymaxion-Auto (1933). Das Zaschka-Auto konnte jedoch leicht gefaltet werden, zerlegt und wieder zusammengesetzt werden, so wie Fullers Dymaxion-Haus und viele seiner geodätischen Kuppeln.[27][28] [Bearbeiten] Weitere Erfindungen (Auswahl)
[Bearbeiten] Gegenwart und ForschungEngelbert Zaschka war vor allem in den 1920er und 1930er Jahren ein bekannter deutscher Erfinder, der auch international – u. a. in den USA – Bekanntheit erlangte.[34][26] In der Folgezeit ist Zaschka annähernd in Vergessenheit geraten. Seine technischen Projekte, Ausführungen und Versuche (wie die des Trag– und Hubschraubers) konnten zum Teil hauptsächlich wegen fehlender finanzieller Mittel, die für weitere Testläufe und Weiterentwicklungen nötig gewesen wären, nicht beendet werden. Des Weiteren war in den 1920er und 1930er Jahren fast kein Bauteil oder Material richtig ausgereift. Diese Tatsache hatte zur Folge, dass die geplante serielle Fertigung – wie die des faltbaren Zaschka-Dreiradautos – nicht umsetzbar war.[25] Das Deutsche Technikmuseum Berlin sucht gegenwärtig den Prototypen des Zaschka Hubschraubers. Die Suche verläuft über die Lost Art Internet-Datenbank, die von der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg betrieben wird. Sie ist eine Einrichtung des Bundes und der Länder der Bundesrepublik Deutschland.[35] Das National Air and Space Museum des Smithsonian Institution in Washington, D.C. verfügt über einen Archivbestand, der Dokumente und Fotografien (Zaschka Document and Photograph Files)[7] des Zaschka Trag- und Hubschraubers sowie des Zaschka Muskelkraft-Flugzeugs beinhaltet.[7] Die History of Aviation Collection der University of Texas at Dallas (UTD) enthält unter anderem die Sammlung des US-Navy Admirals Charles E. Rosendahl. In der Vice Admiral Charles E. Rosendahl Lighter-than-Air Collection (Leichter-als-Luft-Technologie-Sammlung) befinden sich Fotografien von frühen Luftfahrtpionieren wie Engelbert Zaschka und seinem Hubschrauber.[36] [Bearbeiten] Schriften
Titelblatt des vom C.J.E. Volckmann Nachf. E. Wette, Berlin-Charlottenburg Verlag verlegten und von Oberingenieur Engelbert Zaschka verfasste Schrift "Drehflügelflugzeuge. Trag- und Hubschrauber." aus dem Jahr 1936. Es handelt sich dabei um eine der ersten Veröffentlichungen über das Wesen des Trag- und Hubschraubers.
Engelbert Zaschka verfasste die Schrift Drehflügelflugzeuge. Trag- und Hubschrauber., welche im Juli 1936 im Berliner C.J.E. Volckmann Nachf. E. Wette - Verlag erschien. Es handelt sich dabei um eine der ersten Veröffentlichungen über das Wesen des Trag- und Hubschraubers. Sie ist insbesondere an Flugzeugkonstrukteure sowie an Förderer des Drehflügelflugzeugbaus gerichtet. Die Schrift gliedert sich in A: Entwicklungsgeschichte angefangen bei Leonardo da Vinci - B: Neuere Projekte, Versuche und Erfolge unter anderem Petroczy-Karman-Zurovec, Cierva, Rieseler, Strandgren, Rohrbach, Piskorsch, Maitland-Barkelew-Bleeker, Nagler, Hafner, d'Ascanio, Florinne, Asboth, Lamés, Bréguet-Dorand und weitere. C: Theorie und Konstruktionsrichtlinien und D: Zukunftsaussichten des Hubschraubers. Zaschkas Hubschrauber sind ebenfalls dokumentiert und abgebildet. Im Vorwort schreibt Zaschka:
Fachartikel (Auswahl) Engelbert Zaschka verfasste diverse Fachartikel in technischen Zeitschriften. Einige Beispiele sind der Zeitschrift des mitteleuropäischen Motorwagenvereins Der Motorwagen (heute: ATZ Automobiltechnische Zeitschrift) entnommen:
[Bearbeiten] PatenteAls anerkanntem technischem Erfinder wurden Engelbert Zaschka zwischen 1919 und 1953 mehrere Patente erteilt. Von Zaschka sind 10 Patente bekannt; sie umfassen u. a. die Hubschrauber-Patente, ein Patent eines Triebwerks und Motors sowie eines Klappfahrrads:[40]
Das Jahr der ersten Anmeldung eines Patents ist jeweils angegeben. Erfindung, Patentanmeldung, Patenterteilung und Beginn der Vermarktung können in verschiedene Kalenderjahre fallen. Unterschiedliche Angaben in Veröffentlichungen haben darin ihre Ursache. [Bearbeiten] RezeptionRichard A. Lupoff greift in seinem Roman Marblehead: A Novel of H.P. Lovecraft (2006) die Hubschrauber-Erfindung von Engelbert Zaschka aus dem Jahr 1927 auf.[41] Diverse Zeitungen wie die überregionale New York Times, Washington Post, The Argus (Melbourne, Australien), Diario ABC (Madrid, Spanien) sowie Daily Mirror (London, England)[42] und andere berichteten über die Hubschrauberentwicklungen von Zaschka. Die Berichterstattung ist von ersten technischen Erfolgen, Erwartungen und Zukunftsaussichten des Zaschka Hubschraubers gekennzeichnet. So schrieb beispielsweise die Zeitung The Bee (Danville, Virginia):
US-amerikanischer Zeitungsartikel über den Zaschka-Hubschrauber (1927) [43]
[Bearbeiten] Bildergalerie
[Bearbeiten] Literatur
[Bearbeiten] Siehe auch[Bearbeiten] Weblinks
Videos
Zeitungsartikel (Auswahl)
Bilder (Auswahl)
[Bearbeiten] Einzelnachweise und Anmerkungen
Deutsche Automobilmarken von 1919 bis 1945
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Quelle: Wikipedia. Aktualisiert: 05/22/12, 11:18 pm |
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