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Oberbaumbrücke
52.50194444444413.445555555556Koordinaten: 52° 30′ 7″ N, 13° 26′ 44″ O
Die Oberbaumbrücke in Berlin verbindet als Teil des Innenstadtrings die Ortsteile Kreuzberg und Friedrichshain über die Spree und liegt zwischen der Elsenbrücke und der Schillingbrücke. Sie ist das Wahrzeichen des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg.
[Bearbeiten] Erste hölzerne Spreequerungen im 18. JahrhundertEine erste hölzerne Brücke befand sich auf Höhe der früheren Stadtmauer, einige Kilometer weiter stromabwärts von der heutigen Brücke nahe der Spreeinsel. Die Spree wurde hier zu beiden Seiten bis auf einen schmalen Durchlass in der Mitte mit begehbaren Holzstegen versperrt, um Zölle eintreiben zu können. Nachts wurde der Durchlass mit einem dicken, mit Eisennägeln bewehrten Stamm verschlossen, dem sogenannten Baum. Neben dem Unterbaum im Westen der Stadt gab es im Osten den Oberbaum. Mit der Verlegung der Stadtgrenze und dem Bau der Berliner Zollmauer wurde 1723 auf königlichen Befehl anstelle des Oberbaums eine neue Brücke etwas weiter östlich aus Holz mit Klappen für den Schiffsverkehr errichtet. Hier stand das Stralauer Tor als Eingang nach Berlin. [Bearbeiten] Eine repräsentative Gewölbebrücke entsteht
Bau der Oberbaumbrücke 1895, Foto von Hermann Rückwardt
Ansicht der Oberbaumbrücke mit dem direkt anschließenden U-Bahnhof Stralauer Tor (später Osthafen)
1893 hatte die Firma Siemens & Halske die Genehmigung zum Bau einer die Spree überquerenden Eisenbahnbrücke an dieser Stelle erhalten. Gleichzeitig entstanden Pläne für einen Ersatzbau der alten hölzernen Straßenbrücke. Ein „Besonderes Städtisches Brückenbaubüro“ unter Leitung des Stadtbauinspektors Georg Pinkenburg erstellte mit Unterstützung des Architekten Otto Stahn die Pläne für eine dekorative Brücke, die die frühere Torfunktion des Oberbaums zum Ausdruck bringen sollte. Bevor beide Brücken begonnen wurden, einigten sich die zuständigen Verwaltungen auf die Errichtung einer kombinierten Eisenbahn-/Straßenbrücke auf der Grundlage der vorliegenden architektonischen Entwürfe. Zwischen 1894 und 1896 entstand ein neugotisches Bauwerk, das die Holzbrücke ersetzte und auf der oberen Ebene die 1902 in Betrieb genommenen Hochbahngleise der ersten Berliner U-Bahn-Linie (heutige U-Bahnlinie U1) über die Spree führt. Unter dem Bahn-Viadukt ist ein geschützter Fußgängerüberweg nach Art eines mittelalterlichen Kreuzganges ausgeführt. Als Baumaterial für die Brückenpfeiler und Gewölbezwickel wählten die Ingenieure Beton, für alle anderen Bauteile herkömmliches mit Stahleinlagen verstärktes Mauerwerk, sodass die gesamte Spreebreite in sieben Gewölben überbrückt werden musste. Die Öffnungsbreiten betragen 7½, 16, 19, 22, 19, 16 und 7½ Meter. Der mittlere Brückenbogen wird von zwei je 34 Meter hohen Türmen geschmückt, die mit ihren auskragenden Wehrgängen dem Mitteltorturm der Stadtmauer in Prenzlau (Uckermark) und einem Torturm aus Kyritz nachempfunden sind.[2] Sie symbolisieren gleichzeitig die alte Funktion des Oberbaums als Berliner Wassertor. Ihre unterschiedlich gestalteten Turmspitzen tragen die Reliefs des Berliner Bären und des Brandenburgischen Adlers. Weitere schmückende Details der neuen Brücke waren die mit metallenen Flachreliefs, bunten glasierten Klinkern und Mosaiksteinchen gestalteten Sichtflächen, die neben Ornamenten auch die damaligen Wappen der märkischen Städte (Küstrin, Stendal, Brandenburg, Potsdam, Prenzlau, Frankfurt an der Oder, Salzwedel und Ruppin) zeigen. [Bearbeiten] Zerstörung und NachkriegsgeschichteDie Oberbaumbrücke wurde im Zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt und am 23. April 1945 auf Befehl Adolf Hitlers (Nerobefehl) teilweise gesprengt, um den Vormarsch der sowjetischen Truppen zu behindern. Der mittlere Gewölbebogen stürzte ein und die Tortürme verloren ihre Dächer. Später wurden die Türme von den Ost-Berliner Behörden weiter geschleift. Die später mit Stahlkonstruktionen notdürftig reparierte Brücke markierte die Grenze zwischen dem damaligen Stadtbezirk Friedrichshain (Ost-Berlin) und dem Bezirk Kreuzberg (West-Berlin) – und damit zwischen dem sowjetischen und amerikanischen Sektor von Berlin. Sie verlief am Kreuzberger Ufer der Spree, weshalb bis zur Unterzeichnung des Viermächteabkommens und der Einführung einer adäquaten Regelung mehrere Kreuzberger Kinder, denen man nicht helfen konnte, ertranken. Dieser Gefahr wurde von 1972 an mit einer Notrufsäule begegnet. Bis zum Sommer 1961 gab es regen Fußgängerverkehr, nicht zuletzt wegen der grenznahen Kinos in der Schlesischen Straße. Die U-Bahn (damalige Linie B nach Warschauer Brücke) war bald nach Kriegsende instandgesetzt und verkehrte durchgehend bis zum Tag des Mauerbaus. Der Hochbahnhof Osthafen, der auf Friedrichshainer Seite unmittelbar an das Brückenbauwerk anschloss, wurde aufgrund seiner starken Zerstörungen allerdings ersatzlos abgebrochen[3]. Auf Kreuzberger Seite hatten sich zahlreiche Wechselstuben etabliert, die den Grenzgängern die Ostmark in Westmark tauschten. In den Arkadengängen boten Kleinhändler den Besuchern des amerikanischen Sektors Kaugummis, Nylonartikel und andere Waren häufig auch für Ostgeld im Verhältnis 1:1 an. Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 durfte die Oberbaumbrücke nicht mehr passiert werden, bis sie 1972 als Grenzübergang für Fußgänger (Kleiner Grenzverkehr) wieder geöffnet wurde. Ein Gebäude für die Ostberliner Kontrollorgane wurde direkt am Ostufer der Spree, neben der Oberbaumbrücke, quer über die Straße erbaut. Der die Stralauer Allee an der Brücke überquerende Teil des U-Bahn-Viadukts wurde vollständig abgebrochen. [Bearbeiten] Erneuerung eines Stadtsymbols
Neues Mittelteil, entworfen von Santiago Calatrava
Nach der Wiedervereinigung wurde die Brücke für insgesamt 70 Mio. DM umfassend instandgesetzt.[4] Für die Reparatur des zerstörten Mittelteils gab es einen internationalen Architektenwettbewerb, den Santiago Calatrava gewann. Anschließend gab es langwierige Verhandlungen zwischen dem Architekten, den Denkmalschützern, Vertretern der Schifffahrtsbehörde und Vertretern der Bauämter der beiden damaligen Bezirke, nach denen die Pläne von Calatrava mehrfach überarbeitet wurden. Der Kompromiss wurde bis 1995 umgesetzt, die Brücke erhielt ein neues Mittelteil. Seit 1995 wird die Oberbaumbrücke wieder für die U-Bahn und Straßenverkehr genutzt. Die Stadtplanungen der 1990er Jahre und Forderungen von Umweltverbänden führten zur Verlegung von Straßenbahngleisen in die Fahrbahndecke.[5] Bei der Wiederinbetriebnahme der Oberbaumbrücke gab es Demonstrationen für die Straßenbahn und gegen die Freigabe für den Autoverkehr. Bisher sind aber keine offiziellen Pläne oder Termine zur Realisierung einer Straßenbahnstrecke bekannt geworden. Dagegen beschäftigten sich Verbände und Studenten mit diesem Thema und veröffentlichten ihre Ideen online.[6][7]
Das Wappen von Friedrichshain-Kreuzberg mit der Oberbaumbrücke
Die Oberbaumbrücke, die seit 1991 im Friedrichshainer Wappen stand, wurde nach der Bezirksfusion auch in das Wappen des neuen Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg aufgenommen. [Bearbeiten] Kulturelles an der OberbaumbrückeDie Senatsverwaltung für Bauen, Wohnen und Verkehr veranstaltete 1996 einen künstlerischen Wettbewerb zur Markierung der sieben innerstädtischen Grenzübergänge. Mit seinem Entwurf des bekannten Kinderhandspiels Schere, Stein, Papier gewann der Berliner Thorsten Goldberg den Wettbewerb zum ehemaligen Grenzübergang Oberbaumbrücke. Dazu wurden zwei rechts und links des Mittelstückes sichtbare – je ein Meter große – Neonzeichen angebracht. Die leuchtenden Umrisslinien der drei Handstellungen Schere, Stein und Papier wechseln zufallsgeschaltet alle sechs Sekunden und sind sowohl von der Wasserseite als auch von der Fahrbahn gut sichtbar. Dieses Glücksspiel soll die frühere politische Situation zeigen, nach welcher Entscheidungen eher zufällig und willkürlich erfolgten.[8] Seit 1998 ist die Oberbaumbrücke traditionell einmal im Jahr Schauplatz der Gemüseschlacht zwischen Friedrichshainern und Kreuzbergern, in der um die Vorherrschaft zwischen den beiden mittlerweile fusionierten Bezirken volksfestartig gestritten wird. [Bearbeiten] Literatur
[Bearbeiten] Galerie[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
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