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Palast der Republik
Der Palast der Republik war ein Gebäude am Schloßplatz (von 1951 bis 1994 Marx-Engels-Platz) auf der Spreeinsel im Berliner Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks. Er wurde zwischen 1973 und 1976 nach Plänen von Heinz Graffunder u. a. auf einem 15.300 m² großen Teil des Geländes des ehemaligen Berliner Stadtschlosses gegenüber dem Außenministerium der DDR in Nachbarschaft zum Berliner Dom und zum Staatsratsgebäude errichtet. Er war Sitz der Volkskammer, des Parlamentes der DDR und beherbergte eine große Zahl von Veranstaltungsräumen eines öffentlichen Kulturhauses. In dieser Doppelnutzung sollte und konnte er als ein Symbol dieses Staates gelten. Aufgrund des massiv verbauten Spritzasbests wurde das Bauwerk von Anfang Februar 2006 bis Anfang Dezember 2008 schrittweise abgerissen.[1]
[Bearbeiten] EntstehungDer Palast der Republik wurde am 23. April 1976 nach 32-monatiger Bauzeit feierlich eröffnet. Ab 25. April war er für die Öffentlichkeit zugänglich. Chefarchitekt war Heinz Graffunder, der zusammen mit Karl-Ernst Swora, Wolf-Rüdiger Eisentraut, Günter Kunert, Manfred Prasser und Heinz Aust arbeitete. Die genaue Höhe der Baukosten ist nicht geklärt. Offiziell wurden 485 Millionen Mark angegeben, nach einer internen Aufstellung des Ministers für Bauwesen, Wolfgang Junker, waren es rund 800 Millionen Mark und nach anderen Schätzungen sollen es eine Milliarde Mark gewesen sein.[2] Bis zu 5000 Tonnen Asbest – dies entspricht rund 720 Tonnen Rohasbest – wurden beim Bau aufgebracht. Zum Zeitpunkt der Errichtung war dies ein international übliches Verfahren, um der tragenden Stahlkonstruktion des Gebäudes den bautechnisch vorgeschriebenen Hitzeschutz zu geben.[3] Der Palast wurde auf einem Teil des Geländes des im Zweiten Weltkrieg ausgebrannten und schwer beschädigten Berliner Stadtschlosses gebaut, dessen Ruine 1950 auf Weisung der DDR-Führung trotz internationaler Proteste zugunsten eines Aufmarschgeländes mit Tribüne gesprengt wurde. Danach wurde das Areal, das am 1. Mai 1951 gemeinsam mit dem ehemaligen Lustgarten in Marx-Engels-Platz umbenannt wurde, 23 Jahre lang als Fest- und Aufmarschplatz (insbesondere Militärparaden am 1. Mai), Politikertribüne und Parkplatz genutzt. Um den Platz für Aufmärsche zu erhalten, wurde für den Bau des Palasts der Republik nur die Ostseite des Schlossareals genutzt, sodass zwischen Palast und Spreearm (Kupfergraben) eine große Freifläche verblieb. Die Erschütterungen der schweren Fahrzeuge bei den Militärparaden gefährdeten allerdings die Glasfassade des Palastes der Republik, weswegen man die Paraden schließlich in die Karl-Marx-Allee verlegte. Die Fläche vor dem Palast der Republik diente dann hauptsächlich als Parkplatz. [Bearbeiten] Lage und BaubeschreibungDer Palast der Republik stand zwischen der Karl-Liebknecht- und der Rathausstraße neben dem Neuen Marstall, gegenüber dem Lustgarten und dem Berliner Dom, direkt am Spreeufer. Ganz in der Nähe befand sich das ehemalige Staatsratsgebäude der DDR, in das 2006 die European School of Management and Technology sowie die Hertie School of Governance einzogen. Hinter dem Palast der Republik befanden sich jenseits der Spree das inzwischen veränderte Marx-Engels-Forum und der Berliner Fernsehturm. In der Nähe stand auch das Rote Rathaus, heute Sitz des Berliner Senats, und das Forum des Alexanderplatzes. Das Gebäude bestand aus zwei massiven Außenblöcken und einem dazwischen eingefügten Mittelstück, die dem Gebäude zusammen die Form eines Quaders mit einer Länge von 180 Metern, einer Breite von 85 Metern und einer Höhe von 32 Metern gaben. Die Höhe orientierte sich an der des benachbarten Marstalls und des Staatsratsgebäudes. Es stand in der Sichtachse von Unter den Linden (Abb. rechts). In der Mitte seiner Hauptfassade war als Schmuck das mehrere Meter hohe kupferfarbene DDR-Staatswappen angebracht. Es wurde nach der Wiedervereinigung demontiert. [Bearbeiten] Volkspalast und seine Einrichtungen
Lutz Heßlich und Katarina Witt mit Margot und Erich Honecker sowie Willi Stoph auf dem Weg zum Sportlerball, 1984
[Bearbeiten] NutzungskonzeptDem Bau des Palastes der Republik lag das Konzept eines Volksheimes oder Volkshauses zugrunde, das im 19. Jahrhundert vor allem von der sozialistischen Arbeiterbewegung verfochten und etwa in Belgien, Frankreich (Centre Georges Pompidou), den Niederlanden oder Schweden (Kulturhuset in Stockholm) zu umfangreichen Bauten führte. Vor allem in der jungen Sowjetunion wurden Kulturhäuser zu Symbolen der neuen Staatsmacht. In Deutschland bauten bis 1933 (Machtergreifung der Nationalsozialisten) vor allem die Gewerkschaften solche Anlagen. In der DDR wurde die Aufgabe des Kulturhauses oder Kulturpalastes zu einer eigenständigen Richtung der Architekturtheorie. Die oft zu lesende Behauptung, der klassizistische Architekt Karl Friedrich Schinkel habe bereits solche Bauten geplant, ist hingegen nicht korrekt. [Bearbeiten] Räume und Kultureinrichtungen
Auf Grund des weitgehenden Fehlens ähnlicher Anlagen im Zentrum Ost-Berlins war dem Palast der Republik die Publikumsgunst sicher, es war ein bewundertes, gut besuchtes und einzigartiges Bauwerk. [Bearbeiten] Auftritte prominenter Sängerinnen und SängerAuftritte nationaler und internationaler Künstler wie beispielsweise Udo Lindenberg, Harry Belafonte, Mireille Mathieu, Katja Ebstein, Miriam Makeba u. v. a. fanden im Großen Saal statt und wurden im Fernsehen übertragen. Im Oktober 1983 wurde überraschend dem westdeutschen Rocksänger Udo Lindenberg ein Konzert im Palast der Republik vor ausgewähltem FDJ-Publikum erlaubt, nachdem er in seinem Lied Sonderzug nach Pankow darüber geklagt hatte, dass ihm Auftritte in der DDR versagt blieben. Die in Aussicht gestellte DDR-Tournee wurde dann aber doch nicht genehmigt. [Bearbeiten] Entwicklung ab 1990
Ostseite (vom Fernsehturm aus), 2003
[Bearbeiten] Schließung und Asbestsanierung1990 wurde der Palast wegen Asbestverseuchung geschlossen. Bereits zu seiner Bauzeit war davor gewarnt worden, die Stahlkonstruktion mit Spritzasbest gegen Feuer zu isolieren. Als nach der Wende absehbar war, dass europäische und bundesdeutsche Arbeitsschutz- und Gesundheitsnormen auch für die DDR Geltung haben würden, wurde der Palast am 19. September 1990 auf Anweisung der Volkskammer geschlossen. Eine Sanierung wurde aus verschiedenen Gründen zu diesem Zeitpunkt nicht geplant. Zwischen 1998 und 2003 entsorgten Spezialfirmen den im Baukörper vorhandenen Asbest. Der Auftrag dafür wurde für eine Pauschalsumme von 35 Mio. Euro vergeben. Während der Asbest-Entsorgung musste die gesamte Inneneinrichtung entfernt werden; danach befand sich der Baukörper im Rohbau-Zustand. Die Entsorgung wurde jedoch so ausgeführt, dass danach sowohl ein Abriss als auch eine Sanierung möglich waren.[3] Die zahlreichen und häufig einmaligen Ausstattungsstücke des Palastes mit dem Logo PdR wurden zu großen Teilen verkauft oder in Auktionen angeboten. [Bearbeiten] Totalumbau oder Abriss und Neubau?Die stadtplanerische Entwicklung des Berliner Schlossplatzes ist aufgrund der zentralen Lage des Platzes und der geschichtlichen Bedeutung von Schloss und Palast seit der deutschen Wiedervereinigung Gegenstand intensiver Diskussionen. Als einziges Mitglied der Expertenkommission Historische Mitte Berlin gab Bruno Flierl ein Votum gegen den Schlossneubau und für den Erhalt des Palast der Republik ab. Spektakulär zeigte sich auch die Aktion von Gregor Gysi, der das Dach des Gebäudes besetzte, um gegen den Abriss zu protestieren. Nach mehreren Architekturwettbewerben zum Umgang mit dem historischen Areal beschloss der Bundestag 2003 den Abriss des Palastes sowie die zwischenzeitliche Anlage einer Grünfläche, bis das ‚Humboldt-Forum‘ errichtet wird. Dieses soll die Museen außereuropäischer Kulturen (derzeit in Berlin-Dahlem), die Zentral- und Landesbibliothek Berlin und die wissenschaftshistorischen Sammlungen der Humboldt-Universität aufnehmen. Deren nicht der Spree zugewandte Fassaden sollen nach dem Vorbild der barocken Fassaden des 1950 gesprengten Berliner Schlosses rekonstruiert werden. Der Palast der Republik war kein eingetragenes Denkmal – beim Fall der Mauer kaum 14 Jahre alt, war er für solche Überlegungen zu jung. Dennoch war im Berliner Denkmalamt 1991/1992 ein unveröffentlichtes, stark umstrittenes Gutachten entstanden, das seinen Denkmalwert analysierte, ihn als Zeitdokument würdigte, seine Bedeutung für das Stadtbild und ein Interesse der Öffentlichkeit an seiner Erhaltung betonte. In der Diskussion um Erhalt oder Abriss des Palasts spielten Denkmalaspekte letztlich jedoch keine Rolle, zumal das Gebäude durch die Asbestbeseitigung bis auf den Rohbau abgetragen werden musste.[5] [Bearbeiten] Zwischennutzungen vor dem beschlossenen AbrissIm Frühjahr 2004 begannen Zwischennutzungen des entkernten Palastes der Republik unter der Bezeichnung Volkspalast. Zu den vielfältigen Nutzungen gehörten Kunstausstellungen und Theateraufführungen, die im Innenraum mit Hilfe provisorischer Zuschauertribünen stattfanden. Bei dem Projekt Fassadenrepublik konnten die Besucher den teilweise gefluteten Palast im Schlauchboot erkunden. Am 26. Januar 2005 installierte der norwegische Künstler Lars Ramberg auf dem Dach des Palastes mehr als sechs Meter hohe neonbeleuchtete Buchstaben, die das Wort „ZWEIFEL“ bildeten. Der Schriftzug diente als Logo für das Projekt Palast des Zweifels. Ramberg wollte mit diesem Projekt die Diskussionen um den Palast fördern und mit dem Diskurs um verloren gegangene Utopien, dem Suchen nach neuen Perspektiven und Identitäten verbinden. Die Aktion lief bis zum 10. Mai 2005. Auf Betreiben des Künstlers wurde eine Abbildung des Palastes mit dem Schriftzug „ZWEIFEL“ mit der Begründung, es liege eine Urheberrechtsverletzung vor, aus der Ausstellung „ZeitSchichten – Erkennen und Erhalten – Denkmalpflege in Deutschland“ in Dresden (Juni bis November 2005) genommen. Mit der Ausstellung Fraktale entstand genau in der Mitte des Palastes ein großer weißer Raum, der zum Leitbild der neuen künstlerischen Nutzung des Palastes hätte werden können. Die Ausstellung White Cube Berlin (bis Dezember 2005) versuchte, anhand dieses Raumes mit international renommierten Künstlern die neue Nutzung den Abrissplänen entgegenzustellen. Diese letzte Zwischennutzung des Baus und den Prozess des Aufbaus des White Cube hat der Dokumentarfilm AltlastPalast dokumentiert. Im Dezember 2005 wurde in Berlin eine Stiftung für den Erhalt des Palastes der Republik gegründet.[6] [Bearbeiten] Abriss zwischen 2006 und Ende 2008Der Abriss des Palastes der Republik verschob sich immer wieder. Am 19. Januar 2006 lehnte der Deutsche Bundestag Anträge von Bündnis 90/Die Grünen und der Linkspartei zur Verschiebung des Abrisses bzw. zur Erhaltung des Bauwerks ab. Proteste aus dem In- und Ausland gegen den Abriss und für den Erhalt des Palastes blieben ohne Erfolg. Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages behandelte 880 Einwände gegen den Abriss, die allesamt abgelehnt wurden.[7] Nach Terminen im Frühjahr 2005 und im Oktober 2005 wurde das Gebäude ab dem 6. Februar 2006 mithilfe von fünf Kränen behutsam zurückgebaut. Von einer Sprengung des Gebäudes wurde abgesehen, weil Beschädigungen umliegender Gebäude durch den Auftrieb der Bodenwanne und das dadurch bedingte Absinken des Grundwasserspiegels befürchtet wurden. Stattdessen wurde das abgetragene Material gewogen und sofort das gleiche Gewicht an mit Wasser versetztem Sand in die Bodenwanne geleitet. Die Kellergeschosse des Palastes der Republik blieben vollständig erhalten und sollen bei einer Neubebauung genutzt werden. Die Abrissarbeiten sollten ursprünglich Mitte 2007 abgeschlossen sein. Im Laufe der Arbeiten wurde an mehreren Stellen zusätzlich asbesthaltiges Material festgestellt. Der Abriss verlangsamte sich dadurch deutlich. Am 2. Dezember 2008 wurde der letzte Gebäudeteil des Palastes abgerissen.[8] Die Zusatzkosten in Höhe von bislang 9,9 Mio. Euro muss der Bund übernehmen.[9] Den Zuschlag für den Abriss erhielt die Arbeitsgemeinschaft Rückbau Palast der Republik, bestehend aus den Unternehmen Ludwig Freytag GmbH & Co. KG, Bunte Bauunternehmung GmbH & Co. und Jaeger Umwelttechnik GmbH & Co. KG.[10] Nach Abschluss der Abrissarbeiten ist nun das Kellerbecken des Palastes mit 20.000 m³ Sand aufgefüllt. Die Fläche wurde als Zwischenlösung bis zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses als Humboldt-Forum begrünt. Dieser wurde 2010 verschoben und soll nun 2014 beginnen. Auf dem direkt anschließenden Areal der ehemaligen Schlossfreiheit war von September 2008 bis August 2010 die ‚Temporäre Kunsthalle Berlin‘ öffentlich zugänglich. Insgesamt wurden 78.000 t Baumaterialien abgetragen. Davon waren:
Der hochwertige schwedische Stahl der Grundkonstruktion wurde gesondert eingeschmolzen. Der neuerschmolzene Stahl wurde für den Bau des Burdsch Chalifa nach Dubai verkauft, dem bei seiner Fertigstellung im Jahr 2009 höchsten Gebäude der Welt.[12] Des Weiteren wurde der Stahl auch von Volkswagen für den Bau von Motorenblöcken im Golf VI verwendet.[13][14] [Bearbeiten] Der Palast der Republik in den MedienAltlastpalast ist ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2006 von Irina Enders. Er zeigt die letzten sechs Monate der Existenz des Palastes der Republik, die Diskussion um den Abriss in Berlin, die Entstehung der Fraktale-Ausstellung zum Thema „Tod“ im Palast und die Debatte zum Schlosswiederaufbau. Der kontroverse Film wirft vor allem die Frage auf, wie man hierzulande insgesamt mit der jungen deutschen Geschichte umgeht. Er beinhaltet auch die letzten Innen- und Luftaufnahmen vom Palast vor seinem Abriss, der im Februar 2006 begonnen hatte und im Dezember 2008 abgeschlossen wurde. [Bearbeiten] SpitznamenFür den Palast der Republik gab es verschiedene satirische Bezeichnungen wie „Palazzo prozzo“, „Ballast der Republik“ oder „Erichs Lampenladen“. Letzterer spielte auf die zahllosen Leuchten der Foyerdeckenbeleuchtung und den Staats- und Parteichef Erich Honecker an. Diese niemals offiziell gebrauchten Bezeichnungen waren unter den Berlinern bekannt, gehörten aber nicht zum häufigen Sprachgebrauch. Ihre Herkunft ist umstritten und nicht belegt; Mutmaßungen dazu reichen vom Berliner Volksmund bis zur West-Berliner Boulevardpresse. [Bearbeiten] Literatur
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
52.517513.402222222222Koordinaten: 52° 31′ 3″ N, 13° 24′ 8″ O Quelle: Wikipedia. Aktualisiert: 05/24/12, 1:59 am |
Bilder
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