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Stettin
Stettin (poln. Szczecin) ([ˈʃt͡ʃɛt͡ɕin]; Trotz seiner politischen Zugehörigkeit zum polnischen Westpommern, das überwiegend deckungsgleich ist mit dem Westteil des historischen Hinterpommerns, gehört Stettin – und die wenigen anderen ebenfalls westlich der Oder gelegenen polnischen Orte (→ Stettiner Zipfel) – historisch-geografisch zu Vorpommern.
[Bearbeiten] Geographie[Bearbeiten] OdermündungDer größte Teil der Stadt liegt am linken Westoderufer, das vor allem im Norden der Stadt von bewaldeten Hügeln geprägt ist (bis 130 m ü. NN). Auch die Stadtteile Dąbie (Altdamm), Podejuch (Podjuchy) und Colbatz (Kołbacz) östlich der Oder sind von Waldgebieten umgeben, der Buchheide (Puszcza Bukowa, bis 149 m ü. NN) und der Gollnower Heide (Puszcza Goleniowska). Zwischen diesen beiden Stauchmoränen verläuft das bis fünf Kilometer breite Flusstal – begrenzt von den Hauptarmen Westoder und Ostoder (Odra Zachodnia und Odra Wschodnia). Die in zahlreiche Flussarme geteilte Oder mit zahlreichen Flussinseln reicht bis in das Stadtgebiet. Unmittelbar südlich der Stadt beginnt der deutsch-polnische internationale Park Unteres Odertal, der aus dem polnischen Landschaftsschutzpark Unteres Odertal und dem deutschen Nationalpark Unteres Odertal besteht und sich über Schwedt/Oder bis nahe Hohensaaten erstreckt. Nördlich der Kernstadt weitet sich die Oder zu einem großen Binnensee, dem Dammschen See (Jezioro Dąbie), auf. In der Höhe von Police (Pölitz) findet der Fluss wieder in ein (sehr breites) Bett zurück, bevor er sich wieder aufweitet (Roztoka Odrzańska) und bei Trzebież (Ziegenort) ins Stettiner Haff mündet. Über den Kanał Piastowski (Kaiserfahrt) und die Swine (Świna) wird bei Świnoujście (Swinemünde) die offene Ostsee erreicht.
[Bearbeiten] Stettiner FlussinselnIm engeren Stadtgebiet liegen zwischen den beiden Hauptarmen des Flusses, der Westoder (Odra Zachodnia) und der Ostoder (Odra Wschodnia), sowie den alten Querverbindungen Parnitz und Dunzig, zahlreiche Flussinseln:
[Bearbeiten] Politik und Gesellschaft[Bearbeiten] HoheitszeichenDas Wappen der Stadt Stettin zeigt den Kopf des roten Greifen, des Wappentiers im Wappen Pommerns, mit der goldenen Krone im blauen Feld.[3] Das Wappen hat sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg inhaltlich nicht geändert. In dieser offiziellen Form findet sich das Wappen auch auf der Stadtflagge Stettins wieder.[4] [Bearbeiten] StadtgliederungDer historische Stadtkern, die Altstadt, liegt am westlichen Ufer der Westoder. Um sie herum legt sich die gründerzeitliche Neustadt. Das von diesen beiden eingenommene dicht bebaute Innenstadtgebiet hat einen Durchmesser von etwa drei Kilometern. Die angrenzenden Stadtteile sind lockerer bebaut. Jenseits der Westoder liegen die Stadtteile Lastadie und Silberwiese auf den gleichnamigen Flussinseln. Auf dem linken Flussufer grenzt südlich an die Innenstadt Pommerensdorf (Pomorzany), westlich die Stadtteile Schwarzow (Świerczewo), Torney (Turzyn), Braunsfelde (Pogodno), und nördlich Grünhof (Bolinko) und Grabow (Grabowo)[5]. Die meisten dieser zentrumsnahen Stadtteile sind ehemalige Dörfer, außerdem gibt es Villenkolonien der Vorkriegszeit und Plattenbausiedlungen der 1960er bis 1980er Jahre. Auch in den Außenbezirken liegen zahlreiche gewachsene, eingemeindete Dörfer. Vor 1945 war Stettin mit 460 km² Fläche die flächenmäßig drittgrößte Stadt des Deutschen Reiches, das Stadtgebiet umfasste zahlreiche noch recht ländlich geprägte Ortschaften. Eine Sonderrolle innerhalb der Außenbezirke nimmt die ehemalige Stadt Altdamm (Dąbie) auf dem östlichen Oderufer ein. Sie besitzt einen eigenen mittelalterlichen Stadtkern und ist bis heute das Zentrum des Stettiner Stadtgebiets rechts der Oder. Die Stadt Stettin gliedert sich in vier Stadtbezirke, diese wiederum in Ortschaften (Stand 2010)[6]:
[Bearbeiten] Stadtbild[Bearbeiten] Altstadt
Südflügel, so genannter Bogislawbau, des Stettiner Schlosses, das nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg wieder aufgebaut wurde und seitdem unter dem Namen „Schloss der Herzöge von Pommern“ als Kulturzentrum fungiert.
Die Altstadt wurde nach schweren Kriegszerstörungen nur teilweise wiederaufgebaut. Bis heute prägen zahlreiche Brachen das Stadtbild im ältesten Teil Stettins. Zwischen erhaltenen oder nach alten Unterlagen rekonstruierten alten Bauwerken stehen zahlreiche sehr einfache Wohnhäuser der 1950er Jahre. Den höchsten Punkt der Altstadt nimmt das Schloss der Herzöge von Pommern ein. Zu seinen Füßen, südlich angrenzend, entstand die bürgerliche Stadt rund um die ehemalige Nikolaikirche und das heutige, gotische Alte Rathaus am Heumarkt. Das mehrfach erweiterte Gebiet der mittelalterlichen Stadt lag ungefähr zwischen dem Oderufer und den heutigen Straßen Dworcowa („Bahnhofstr.“, früher Grüne Schanze), aleja Niepodleglości, („Unabhängigkeitsallee“, früher Paradeplatz), plac Zołnierza Polskiego (Pl. des polnischen Soldaten, früher Königsplatz) und der neuen Schnellstraße Trasa Zamkowa („Schloss-Trasse“). Ziemlich genau in der Mitte dieses alten Stadtgebiets steht die größte Kirche der Stadt, die gotische Jakobikirche. An die mittelalterliche Stadtmauer erinnert heute nur noch der Siebenmäntel- oder Frauenturm (Baszta Siedmiu Płaszczy/Baszta Panieńska) an der nordöstlichen Ecke des damaligen Stadtgebiets. Die beiden erhaltenen barocken Festungstore, das Berliner Tor (poln. Brama Portowa, „Hafentor“) im Westen und das Königstor (poln. gleichbedeutend Brama Królewska) im Norden, entstanden erst im Zuge des Festungsausbaus nach dem Übergang an Preußen unter König Friedrich Wilhelm I. zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Sie wurden vom preußischen Festungsbaumeister Gerhard Cornelius von Wallrave entworfen und dienten neben militärischen auch repräsentativen Zwecken, so dokumentieren die Inschriften am Königstor die Inbesitznahme der Stadt durch Preußen. Zwei weitere gotische Kirchen sind erhalten geblieben, die Johanneskirche, ursprünglich die Kirche des Franziskanerklosters, am südlichen Rand der Altstadt und die Kirche St. Peter und Paul im Norden. Dagegen sind die Marienkirche zwischen Kleiner und Großer Domstraße und die Nikolaikirche neben dem Alten Rathaus am Heumarkt (Rynek Sienny) bereits am Ende des 18. bzw. zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus dem Stadtbild verschwunden. Zwischen Jakobikirche und Königstor liegen mehrere barocke Stadtpaläste, etwa der ehemalige pommersche Landtag in der Staromłyńska („Altmühlenstr.“, früher Luisenstraße) das Wolkenhauerhaus am Plac Orła Białego („Pl. des weißen Adlers“, früher Rossmarkt), heute Musikhochschule, oder das ehemalige Generalkommando, heute Nationalmuseum, am plac Żołnierza Polskiego, früher Königsplatz. [Bearbeiten] NeustadtNach 1945 übernahm die gründerzeitliche Neustadt anstelle der fast völlig zerstörten Altstadt die meisten Zentrumsfunktionen. Die Anlage der Neustadt ging auf die Initiative des langjährigen Oberbürgermeisters Hermann Haken zurück. Ein echter Stadtmittelpunkt ist heute nicht erkennbar, jedoch kann man den Bereich um aleja Niepodległości („Unabhängigkeitsallee“) und plac Wyzwolenia („Befreiungsplatz“), vor dem Krieg zusammen Paradeplatz, zwischen Berliner Tor (polnisch Brama Portowa/„Hafentor“) und dem Hotelhochhaus Radisson SAS als wichtigsten Straßenzug der heutigen Innenstadt ansehen. Direkt neben dem Hotelgebäude befindet sich die Shopping-Mall Galaxy, das größte Einkaufszentrum der Stadt. An der aleja Niepodległości stehen einige Prachtbauten der Gründerzeit; etwa ein neobarockes Gebäude, einst gebaut als Sitz der staatlichen Bank Pommersche Landschaft, heute wieder Niederlassung einer Bank, die neugotische Oberpostdirektion und mehrere Kaufhäuser. Am Berliner Tor stößt rechtwinklig der plac Zwycięstwa („Siegesplatz“, bis 1945 Hohenzollernplatz) auf den genannten Straßenzug. Den Platz schmücken repräsentative Grünanlagen, in denen sich am westlichen Ende die im Jugendstil errichtete Bugenhagenkirche (polnisch św. Wojciecha, „Adalbertkirche“) erhebt. Aus der gleichen Zeit stammt die benachbarte Garnisonkirche, heute Herz-Jesu (polnisch N. Serca Pana Jezusa). In der südlichen Neustadt, zwischen Altstadt und Hauptbahnhof, entstanden vor dem Ersten Weltkrieg weitere repräsentative Großbauten, die heute, nach der Zerstörung ihrer städtebaulichen Umgebung, als Solitäre in einer Abfolge großer Grünanlagen stehen. Nördlich des Bahnhofs, unmittelbar am Oderufer (Bollwerk/polnisch Bulwar Piastowski) steht die Hauptpost, ein Backsteinbau in maßvoller Neorenaissance. Die westlich anschließende Freifläche heißt plac Tobrucki („Tobrukplatz“). Das ehemalige Neue Rathaus am plac Stefana Batorego („Stephan-Báthory-Platz“, früher Rathausplatz) wurde nach Berliner Vorbild Rotes Rathaus genannt, es beherbergt heute Einrichtungen der Hafenverwaltung. Das nahe ehemalige Stadthaus mit seinem hohen Jugendstilturm ist heute Sitz der Pommerschen Medizinhochschule (Pomorska Akademia Medyczna). Die äußere Neustadt erinnert in ihrem städtebaulichen Grundriss an Pariser Vorbilder, in der Architektur der Einzelgebäude dagegen an Berlin. Große, gerade Straßenachsen schneiden sich an repräsentativen Sternplätzen, deren bekanntester der plac Grunwaldzki (ehem. Kaiser-Wilhelm-Platz) im Norden der Neustadt ist. Die Bebauung der einzelnen Parzellen erfolgte wie in Berlin mit Vorderhäusern, Seitenflügeln und Quergebäuden, wodurch zahlreiche enge Hinterhöfe entstanden. Die Bebauung der Neustadt ist überwiegend viergeschossig. Eine der größten Straßenachsen ist die al. Jedności Narodowej (ehem. Kaiser-Wilhelm-Straße), an deren Endpunkt das heutige Rathaus von Szczecin steht, ehemals als Landeshaus Sitz der Provinz Pommern. Hinter dem Rathaus liegt die Jasne Błonia („Helle Brache“, früher Quinstorp-Aue), in der ein Denkmal Papst Johannes Paul II. bereits zu dessen Lebzeiten errichtet wurde. Nördlich der Altstadt, zwischen Oderufer und Grabower Anlagen, entstand von 1902 bis 1921 das bekannteste Bauensemble Stettins, die Hakenterrasse. Drei monumentale Großbauten stehen an dieser Uferstraße: die Seefahrthochschule, das Stadtmuseum (heute Theater und Meeresmuseum) sowie das Gebäude der Regierung von Pommern, das heute als Sitz der Wojewodschaft Westpommern weiterhin seiner ursprünglichen Funktion dient. Die flussseitige Straßenseite schmücken zwei Jugendstilpavillons und eine große Freitreppe zum tiefer liegenden Fluss. [Bearbeiten] Äußere StadtteileDie äußeren Stadtteile Stettins sind von großen Grünanlagen durchzogen. Zu diesen gehört der Hauptfriedhof, im Stadtteil Scheune (polnisch Gumieńce) an der ulica Ku Słońcu („Straße zur Sonne“, früher Pasewalker Chaussee), mit 1,7 km² Fläche einer der größten Friedhöfe Europas. Er wurde auf Initiative des schon erwähnten Oberbürgermeisters Haken angelegt, der hier auch begraben liegt. Der nördlich angrenzende Stadtteil Pogodno, die frühere Villenkolonie Braunsfelde, ist Heimat des Fußballvereins Pogoń Szczecin. Nördlich dieses Stadtteils liegt der Park Leśny Arkónski („Arkona-Waldpark“, früher Eckerberger Wald), ein wichtiges Ausflugsziel. Nicht weit davon liegt der schöne jezioro Głębokie („Tiefer See“, früher Glambecksee) im Park Leśny Głębokie. Größere Plattenbausiedlungen liegen am westlichen Rand von Pogodno (Zawadzkiego, Somosierry), im Süden von Pogodno (Kaliny, Przyjaźni), in Niebuszewo (Zabelsdorf, Książąt Pomorskich) sowie im südlichen Stadtteil Pomorzany (Wzgórze Hetmańskie). [Bearbeiten] GeschichteStettin entwickelte sich Ende des 12. Jahrhunderts aus einer wendischen und zwei benachbarten deutschen Siedlungen, denen der pommersche Herzog Barnim I. 1243 das Stadtrecht verlieh. Danach wuchsen die Stadtteile schnell zusammen und Stettin wurde zu einem bedeutenden Handelsplatz. 1278 erfolgte die Aufnahme in den Hansebund. Herzog Otto I. machte Stettin 1309 zur Residenzstadt Pommerns. 1451 und 1464 wütete die Pest in der Stadt. Nach Einführung der Reformation wurde in Stettin die erste weltliche Hochschule Pommerns, das Pädagogium, gegründet. 1570 fand hier der so genannte Stettiner Friedenskongress statt, der den Nordischen Siebenjährigen Krieg beendete. Herzog Johann Friedrich (reg. 1569–1600) baute das Schloss zu einer Residenz im Renaissancestil aus und verlieh ihm im Wesentlichen das heutige Erscheinungsbild. 1637 starb hier Herzog Bogislaw XIV. als letzter Greifenherzog. Von 1630/37 bis 1713/20 war Stettin in schwedischer Hand. Als Sitz der schwedischen Provinzialverwaltung und wichtige Festung, die den nördlichsten Oderübergang sicherte, wurde sie in den Kriegen der schwedischen Großmachtzeit mehrmals belagert. 1659 widerstand sie den Belagerern, aber 1677 während des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges eroberte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg die Stadt, musste sie aber wieder abgeben. 1713 besetzte der preußische König Friedrich Wilhelm I. die Stadt und erwarb sie endgültig durch den Stockholmer Frieden von 1720. Die Preußen siedelten wichtige Verwaltungseinrichtungen an und bauten Stettin weiter zu einer Festungsstadt aus. Das Altpreußische Infanterieregiment No. 7 wurde nach Stettin verlegt und Stettin wurde so zur preußischen Garnisonsstadt. Während der napoleonischen Kriege wurde die Festung 1806 von den Franzosen kampflos eingenommen, die die Stadt bis 1813 besetzt hielten. 1815 wurde Stettin Hauptstadt der preußischen Provinz Pommern. Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Stettin–Berlin und der Erweiterung des Hafens entwickelte sich die Stadt auch zu einem wichtigen Industriestandort. Nach der Entfestung ab 1870 vergrößerte sich die Stadt durch neue Wohngebiete und Eingemeindungen. 1879 wurde auf einer Anhöhe vor der Stadt ein Krankenhaus mit 300 Betten eröffnet. Stettin beherbergte verschiedene Verwaltungsbehörden, die zum Teil auch als Schulen dienten. An Bildungs- und Lehranstalten verfügte Stettin im Jahre 1909 über[7] drei Gymnasien, zwei Realgymnasien, zwei Lehrerinnenseminare, eine Maschinenbauschule, eine Baugewerkschule, eine Seemannsschule, eine Navigationsschule, eine Landwirtschaftsschule, eine Handelsschule, eine Hebammenlehranstalt mit angeschlossener Frauenklinik, eine Taubstummenanstalt und eine Blindenanstalt. 1913 erfolgte die Grundsteinlegung für den Stettiner Bismarckturm am linken Oderhochufer in Stettin-Gotzlow, der 1921 - verzögert durch den Ersten Weltkrieg - als Denkmal und Aussichtsturm eingeweiht wurde. Auf Beschluss des pommerschen Provinziallandtags von 1929 wurde die überalterte und nicht mehr ausbaufähige Provinzial-Hebammen-Lehranstalt und Frauenklinik in der Innenstadt (Karkutschstraße) in die Landesfrauenklinik der Provinz Pommern (LFK) umgewandelt. Unter Leitung des Gynäkologen und Institutsdirektors Siegfried Stephan wurde für die LFK zwischen 1929 und 1931 in einem ruhigen Außenbezirk (Roonstraße 7, südöstliche Ecke des Quistorparks und des Westendsees) ein großzügiger Neubau errichtet.[8] Die Synagoge zu Stettin wurde 1938 bei den Novemberpogromen zerstört. 1939 wurde durch die Eingemeindung der Städte Altdamm und Pölitz sowie weiterer 36 Gemeinden Groß Stettin geschaffen. Die rund tausend Stettiner Juden waren die ersten auf deutschem Gebiet, die von den Nationalsozialisten ins nun besetzte Polen deportiert wurden: am 12. Februar 1940 erfolgte ihre Verhaftung im ganzen pommerschen Regierungsbezirk Stettin.[9] 1944 richteten Bombenangriffe des Bomber Command der Royal Airforce große Schäden an, denen die Altstadt inklusive des Hafengebiets zu 90 Prozent,[10] das übrige Stadtgebiet zu 70 Prozent zum Opfer fielen. Am 26. April 1945 wurde Stettin von der Roten Armee erobert. Nach Kriegsende war der genaue Verlauf der Demarkationslinie zwischen der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands und den unter polnische Verwaltung gestellten deutschen Gebieten im Stettiner Raum noch unklar, so dass die Sowjetunion zunächst davon absah, das westlich der Oder gelegene Stettin den polnischen Behörden zu übergeben, und in der Stadt eine neugebildete deutsche Verwaltung einsetzte, zunächst ab dem 2. Mai 1945 unter Erich Spiegel als Bürgermeister, der am 26. Mai 1945 durch den KPD-Politiker Erich Wiesner abgelöst wurde. Am 5. Juli 1945 wurde Stettin jedoch – unter Bruch bestehender alliierter Vereinbarungen, die einen Grenzverlauf „unmittelbar westlich von Swinemünde und von dort die Oder entlang bis zur Einmündung der westlichen Neiße“[11] vorsahen, die Oder-Neiße-Linie – von der sowjetischen Besatzungsmacht an Polen übergeben und von diesem in Szczecin umbenannt. Gleichzeitig erfolgte die Ablösung der deutschen Stadtverwaltung unter Absetzung des Bürgermeisters Wiesner, und es begann die Ansiedlung von Polen, die mit der Vertreibung der deutschen Zivilbevölkerung einherging. Stettin wurde als Hauptstadt der gleichnamigen Woiwodschaft und unter Reaktivierung von Industrie, Bildungseinrichtungen etc. wiederaufgebaut. Der Hafen wurde erst 1955 von der Sowjetunion in polnische Verwaltung übergeben. 1970 wie 1980 kam es zu Arbeiterunruhen, und neben Danzig wurde Stettin zur Keimzelle der Gewerkschaftsbewegung Solidarność. 1972 machte die katholische Kirche Stettin zum Bistumssitz. Am 27. Mai 1990 wurde die erste demokratische Kommunalwahl durchgeführt. 1999 wurde Stettin im Zuge einer Verwaltungsreform Hauptstadt der neuen Woiwodschaft Westpommern. [Bearbeiten] OrtsnameDer Ortsname lautete ursprünglich Stetin, so in Urkunden aus den Jahren 1140[12] und 1123.[13] Ab dem 15. Jahrhundert kam es zur Verdoppelung des zweiten „t“, die bald allgemein üblich wurde und zum Ortsnamen Stettin führte.[14] Ungefähr gleichzeitig wurde die Stadt zur Unterscheidung von dem 1310 gegründeten Neustettin immer allgemeiner auch Alten-Stettin genannt.[14][15] Bis Anfang des 19. Jahrhunderts traten die Schreibweisen Alt-Stettin, Altstettin und Stettin nebeneinander auf,[16] bis man schließlich zu dem einfacheren Stettin zurückkehrte, was seitdem der Ortsname in deutscher Sprache ist.[14] Der nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführte polnische Ortsname Szczecin ist seit dem 19. Mai 1946 offiziell gültig.[17] [Bearbeiten] ReligionDie Einwohner Stettins, so wie ganz Pommerns, wurden mit der Reformation fast ausschließlich evangelisch. 1905 waren 93,3 % der Stettiner evangelisch und 3,9 % katholisch. Die Eintragungen über Taufen, Eheschließungen und Todesfälle der evangelischen Kirchenmitglieder in Stettin sind seit 1603 vorhanden und wurden nach 1920 von der HLT-Kirche („Mormonen“) aufgezeichnet. Mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945 bis 1948 endete auch die evangelische Zeit in Stettin: von ehemals 15 Stadtgemeinden besteht noch eine, deren Zentrum die ehemalige Gertrudenkirche (heute: Św. Trójce/St. Trinitatiskirche) an der Großen Lastadie (heute: ul. Energetyków) ist. Sie gehört zur Diözese Breslau der Evangelischen Kirche Augsburger (lutherischer) Konfession in Polen, die etwa 0,3 % der Gesamtbevölkerung umfasst. Da die heutigen polnischen Bewohner mehrheitlich dem katholischen Glauben angehören, wurde 1972 ein katholisches Bistum mit Sitz in Stettin eingerichtet, das 1992 zum Erzbistum Stettin-Cammin erhoben wurde. Die Jakobikirche im Zentrum der Stadt wurde zur katholischen Kathedrale.
Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche in der ul. Mickiewicza
Die in großer Zahl in Stettin lebenden Ukrainer gehören überwiegend der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche aber auch der Polnisch-Orthodoxen Kirche an. Kirchen dieser beiden christlichen Religionsgemeinschaften byzantinischen Ritus befinden sich auf dem früheren Gelände des Bethanienstifts an der ul. Mickiewicza. Den Altkatholiken gehört die älteste Kirche Stettins und Pommerns, die im Zweiten Weltkrieg nur gering beschädigt wurde: die St.-Peter-und-Paul-Kirche. Stettin gilt auch als eines der Zentren des polnischen Buddhismus. Unter anderem befindet sich hier der Sitz der 'Misja Buddyjska' (Buddhistischen Mission), einer Dachorganisation buddhistischer Gruppen in Polen. Mit der Eröffnung einer 'Buddhistischen Bibliothek' im Rahmen der Pommerschen Bibliothek durch den Dalai Lama im Mai 2000 wurde die Bedeutung Stettins gewürdigt. 2005 fanden auf Einladung der polnischen Buddhisten der Jahreskongress der Europäischen Buddhistischen Union und das Treffen der 'Buddhist Teachers in Europe' in Stettin statt. [Bearbeiten] KulturStettin ist Kandidat als Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2016.[18] [Bearbeiten] Wichtige Bauwerke, Straßen und Plätze[Bearbeiten] In der Altstadt
[Bearbeiten] In der Neustadt
[Bearbeiten] In den äußeren Stadtteilen
[Bearbeiten] Partnerstädte
[Bearbeiten] Persönlichkeiten[Bearbeiten] Ehrenbürger
[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten] Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt haben
[Bearbeiten] Preußische Gouverneure der Festung Stettin
[Bearbeiten] Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten] GarnisonSeit dem 18. September 1999 liegt der Stab des Multinationalen Korps Nord-Ost in den „Baltischen Kasernen“ in Stettin. [Bearbeiten] Hochschulen
[Bearbeiten] Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten] Seehafen Stettin-SwinemündeDer Seehafen an der Odermündung in das Stettiner Haff ist für die gesamte polnische Wirtschaft wichtig – der Hafen Stettin-Świnoujście ist nach Danzig der zweitgrößte Seehafen des Landes. Die Lage an der Odermündung macht Stettin zum natürlichen Seehafen für das gesamte Einzugsgebiet dieses Stroms. Dies betrifft seit 1945 zuallererst die Produktion des Oberschlesischen Industriegebiets um Kattowitz, des größten Ballungsraums des Landes. Ähnlich wie im Ruhrgebiet bildet der örtliche Steinkohlebergbau die wirtschaftliche Grundlage dieser Region, die dortige Stahlindustrie benötigt außerdem Eisenerz. Das für Oberschlesien bestimmte Eisenerz wird deshalb über Stettin-Swinemünde importiert und dort auf Binnenschiffe verladen, die zu exportierenden fertigen Stahlprodukte nehmen den umgekehrten Weg, ebenfalls über Stettin. Bis 1945 war Stettin außerdem der Ein- und Ausfuhrhafen für Berlin, die zeitweise größte Industriestadt Europas war über den bereits 1605 (und nach Zerstörung 1743 wieder) eröffneten Finowkanal sowie ab 1917 über den moderneren Oder-Havel-Kanal mit der Oder verbunden. Die enge wirtschaftliche Symbiose zwischen beiden Städten riss nach Krieg, Vertreibung und Grenzziehung weitgehend ab. Durch den europäischen Einigungsprozess kann für die Schiffsverbindung zwischen Berlin und Stettin jedoch perspektivisch wieder eine größere Bedeutung angenommen werden. Der Seehafen Stettin-Swinemünde hatte 2004 einen Gesamtumschlag von 15,5 Millionen Tonnen und 27.700 Containern. Der Fährhafen (die meisten Verbindungen beginnen in Swinemünde) zählte 740.000 Passagiere, die die Verbindungen nach Skandinavien benutzten. Zwischen Stettin und Swinemünde besteht über das Stettiner Haff und die Oder eine Schiffsverbindung mit einem Tragflügelboot, die die rund 65 Km lange Strecke in ca. 75 Minuten befährt. Stettin ist außerdem ein bedeutender Schiffbaustandort, die Werft ist mit rund 10.000 Beschäftigten die größte in Europa. [Bearbeiten] Eisenbahnverkehr
Szczecin Główny, der Hauptbahnhof
Stettin ist bereits seit 1843 an das Eisenbahnnetz angebunden. In diesem Jahr erreichte die am 1. August 1842 zwischen Berlin und Eberswalde eröffnete Stettiner Bahn ihren Endpunkt in der pommerschen Hauptstadt. Die Strecke begann im Stettiner Bahnhof an der Berliner Invalidenstraße und führt über Bernau, Eberswalde und Angermünde nach Stettin. Es war die erste Bahnverbindung der preußischen Hauptstadt mit einem Seehafen. Der Endbahnhof am Oderufer hieß demnach zunächst Berliner Bahnhof; aus ihm entwickelte sich der heutige Hauptbahnhof (Szczecin Główny). Auch das heutige Empfangsgebäude steht an der Uferstraße (Ulica Krzysztofa Kolumba) gegenüber dem Oderkai. Stettin war Sitz einer Eisenbahndirektion, der späteren Reichsbahndirektion Stettin. Neben der Strecke nach Berlin gibt es heute die Eisenbahnstrecke von Stettin über Pasewalk, Neubrandenburg und Güstrow nach Lübeck, entlang der Oder nach Süden (Gryfino, Küstrin, Zielona Góra, Breslau), nach Osten (Stargard Szczeciński–Posen–Warschau und Stargard–Koszalin) sowie entlang der Ostseeküste über Kołobrzeg und Koszalin nach Danzig. Regionalzüge verkehren über Goleniów nach Kamień Pomorski sowie zur Insel Wollin bis nach Świnoujście. Auf der Strecke am westlichen Oderufer verkehrten bis 2002 Vorortzüge quer durch das Stettiner Stadtgebiet nach Police und Trzebiez. Diese Strecke dient mittlerweile aber nur noch dem Güterverkehr. Die Strecken nach Angermünde und Lübeck Hbf werden von Zügen der Deutschen Bahn bedient. Ab Berlin-Hauptbahnhof ist Stettin ca. alle zwei Stunden erreichbar. Meistens besteht eine Anschlussverbindung über Angermünde, es gibt wenige durchgehende Züge. Täglich verkehrt ein EuroCity über Berlin hinaus nach Dresden und Prag. Die Regionalexpresszüge über Pasewalk stellen eine durchgehende Verbindung – ebenfalls im Zwei-Stunden-Takt – über Bad Kleinen nach Lübeck dar. Das Wochenendticket und Ländertickets gelten bis Stettin. Die Bahnstrecke führt unmittelbar nördlich des Hauptbahnhofs in einem weiten Bogen über die Oder, die Insel Silberwiese (Kępa Parnicka) und die Parnitz. Jenseits dieses Oderarms erreicht die Bahn das Hafengebiet, ein großer Güterbahnhof (Port Centralny) schließt sich dort an. [Bearbeiten] Flughafen Stettin-GollnowDer Flughafen in Goleniów (35 km nordöstlich) hatte 2003 rund 90.000 Passagiere und etwa 7.500 Flugbewegungen bei stark steigender Tendenz. Die meisten Linienflüge gehen mit LOT nach Warschau, die irische Billiglinie Ryanair fliegt nach London, Edinburgh, Liverpool und Dublin. Die norwegische Fluggesellschaft Norwegian Air Shuttle bietet Flüge nach Oslo an. (Stand April 2012) [Bearbeiten] OderbrückenIn Stettin befinden sich die letzten festen Querungen der Oder vor ihrer Mündung. Im Stadtgebiet und der näheren Umgebung kreuzen vier Straßen und zwei Eisenbahnstrecken den in viele Flussarme geteilten Strom.
[Bearbeiten] Stadtverkehr
Modernisierter Konstal 105Na
Die von der Stettiner Straßen-Eisenbahn Gesellschaft 1879 als Pferdebahn eröffneten und ab 1897 elektrifizierten Straßenbahnlinien fuhren im Stadtgebiet und in einige nördliche Nachbarorte. Der städtische Verkehrsbetrieb Tramwaje Szczecińskie Sp. z o.o. betreibt heute den öffentlichen Verkehr innerhalb des Stadtgebiets in Form eines umfangreichen Straßenbahnnetzes[23] und ergänzender Buslinien. In der Stadt verkehren elf Straßenbahnlinien. Die wichtigsten Umstiegsknoten sind am Berliner Tor sowie am Radisson-Hotel (pl. Rodła). Zwei Linien fahren über die Lange Brücke auf das östliche Ufer der Westoder, enden dort jedoch nach einigen Kilometern im Hafengebiet. Der Bezirk Altdamm rechts der Ostoder wird nicht von der Straßenbahn erreicht. Die innerstädtischen Verkehrsmittel können auch mit den angrenzenden Ländertickets und dem Schönes-Wochenende-Ticket der DB benutzt werden [24]. [Bearbeiten] Verweise[Bearbeiten] Literatur[Bearbeiten] Belege
[Bearbeiten] Allgemeine Darstellungen
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Fußnoten
Województwo Zachodniopomorskie (Woiwodschaft Westpommern)
Kreisfreie Städte: Szczecin (Stettin) | Koszalin (Köslin) | Świnoujście (Swinemünde) Landkreise: Białogard (Belgard) | Choszczno (Arnswalde) | Drawsko (Dramburg) | Goleniów (Gollnow) | Gryfice (Greifenberg) | Gryfino (Greifenhagen) | Kamień Pomorski (Kammin) | Kołobrzeg (Kolberg) | Koszalin (Köslin) | Łobez (Labes) | Myślibórz (Soldin) | Police (Pölitz) | Pyrzyce (Pyritz) | Sławno (Schlawe) | Stargard Szczeciński (Stargard) | Szczecinek (Neustettin) | Świdwin (Schivelbein) | Wałcz (Deutsch Krone) Quelle: Wikipedia. Aktualisiert: 05/24/12, 5:33 pm |
Bilder
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