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Weichsel-Kaltzeit
Die Weichsel-Kaltzeit, auch Weichsel-Glazial oder Weichsel-Komplex (umgangssprachlich auch Weichsel-Eiszeit oder Weichsel-Zeit genannt) ist die bisher jüngste der in Nordeuropa und im nördlichen Mitteleuropa aufgetretenen Vergletscherungsphasen (Glazial) des pleistozänen Eiszeitalters. Sie folgt auf die Eem-Warmzeit. Mit dem Ende der Weichsel-Kaltzeit endet das Pleistozän und beginnt das Holozän. In absoluten Zahlen ausgedrückt, begann die Weichsel-Kaltzeit vor ca. 115.000 Jahren und endete vor 11.700 Jahren.[3]
[Bearbeiten] Namensgebung und BegriffsgeschichteNamensgeber ist der Fluss Weichsel in Polen. Der Name „Weichsel-Eiszeit“ geht wahrscheinlich auf einen Vorschlag von Konrad Keilhack zurück. Ab 1909 wurde sie bei der Preußischen Geologischen Landesanstalt verwendet. Die Typusregion ist das untere Weichseltal, eine Typuslokalität wurde nicht festgelegt. Heute hat sich der Begriff Weichsel-Kaltzeit oder Weichsel-Glazial etabliert. Da die eigentliche „Eiszeit“ (d. h. Gletschervorstöße bis nach Norddeutschland) nur einen kleinen Teil dieses Zeitabschnitts einnimmt, bevorzugen manche Forscher den Begriff Weichsel-Komplex. In der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2002 ist die Weichsel-Kaltzeit zu Weichselium abgewandelt, um sie an die Bezeichnungen der chronostratigraphischen Einheiten anzugleichen.[4] [Bearbeiten] Korrelation und VerbreitungNach der internationalen Gliederung, die auf den Sauerstoff-Isotopenstufen beruht, beginnt die Weichsel-Kaltzeit in der Stufe MIS 5d und endet mit der Isotopenstufe MIS 2. Forschungsgeschichtlich bedingt werden zeitgleiche Vergletscherungen räumlich und national unterschiedlich bezeichnet, z. B. im nördlichen Voralpengebiet als Würm-Kaltzeit, auf den Britischen Inseln als „Devensian glaciation“ und in Nordamerika als „Wisconsin glaciation“. [Bearbeiten] Ablauf und Gliederung der Weichsel-Kaltzeit
Die Erde zum letzten glazialen Maximum. Illustration basierend auf: Ice age terrestrial carbon changes revisited von Thomas J. Crowley (Global Biogeochemical Cycles, Vol. 9, 1995, pp. 377-389).
Vor etwa 115.000 Jahren[3] sanken die Durchschnittstemperaturen deutlich und die wärmeliebenden Waldgesellschaften wurden verdrängt. Mit diesem deutlichen Einschnitt in den Durchschnittstemperaturen endete die Eem-Warmzeit und begann die Weichsel-Kaltzeit. Sie wird nach dem Temperaturverlauf in drei Abschnitte gegliedert, das Weichsel-Frühglazial, das Weichsel-Hochglazial (auch Weichsel-Pleniglazial) und das Weichsel-Spätglazial. Während der Weichsel-Kaltzeit fanden auf der Nordhalbkugel immer wieder heftige Klimaschwankungen statt, die sogenannten Dansgaard-Oeschger-Ereignisse. Das Weichsel-Frühglazial wird wiederum in vier Stadiale gegliedert:
Im Weichsel-Hochglazial kam es zum Vorstoß der Gletscher bis nach Norddeutschland. An der Basis sind jedoch einige Interstadiale dokumentiert.
Das kurze Weichsel-Spätglazial ist die Phase langsamer Erwärmung nach dem Weichsel-Hochglazial. Es ist aber wiederum von einigen recht kühlen Phasen unterbrochen.
Nach dem letzten dieser Temperaturrückgänge, der „Jüngeren Dryaszeit“, endete des Weichsel-Glazial mit einem abrupten Temperaturanstieg ca. 9.660 ± 40 v. Chr.[5] Damit begann gleichzeitig unser heutiges Interglazial, das Holozän. Neben der angeführten Gliederung werden die Ablagerungen des Weichsel-Spätglazials nach dem Stand des Eisrückzugs in vier Stadien untergliedert: Germaniglazial (Deutschland wird eisfrei), Daniglazial (Dänemark wird eisfrei), Gotiglazial (Gotland wird eisfrei) und Finiglazial (Finnland und Norwegen werden eisfrei).[6]
Maximale Eisrandlage (Brandenburger Stadium) der Weichsel-Kaltzeit in Norddeutschland (rote Linie). Die gelbe Linie zeigt zusätzlich die größte Ausdehnung der Vergletscherung der älteren Saalekaltzeit.
[Bearbeiten] Ausdehnung des InlandeisesDie Ausdehnung des Eisschildes war in der Weichsel-Kaltzeit, verglichen mit den älteren Kaltzeiten (Elster- und Saalekaltzeit), deutlich geringer.[7] In Deutschland endete der maximale Eisvorstoß des Weichselglazials etwa an der Linie der heutigen Städte Flensburg, Rendsburg, Hamburg, Ahrensburg, südlich Schwerin, Havelberg, Brandenburg an der Havel, Luckenwalde, Lübben und Guben, also innerhalb des nordostdeutschen Tieflandes. Die Elbe sowie der warthestadiale (saalekaltzeitliche) Südliche Landrücken wurden von dem weichselzeitlichen Inlandeis nicht überschritten, sie unterlagen durch Bildung von Niederterrassen und Aufwehungen von Binnendünen und Löss in dieser Zeit periglazialem Einfluss. [Bearbeiten] Gliederung der EisvorstößeWährend des Hochglazials der Weichsel-Kaltzeit gab es in Norddeutschland drei oder vier große Vorstoßphasen des Eises.[7] Jede Vorstoßphase hinterließ eine Gruppe von Endmoränen, eine so genannte Staffel. Jedes der Stadien hat einen eigenen Geschiebemergel abgelagert. Während der Brandenburg-Phase erreichte das Eis seine maximale Ausdehnung (südlich die Glogau-Baruther Urstromtalung und nordwärts folgend die Potsdamer Urstromtalung vorgelagert). Diese Linie wird auch als Brandenburger Eisrandlage bezeichnet. Zum Brandenburger Stadium gehört auch die Frankfurter Staffel, die nordöstlich von Berlin verläuft und keinen eigenen Geschiebemergel aufweist. Die zweite große Vorstoßphase ist die Frankfurt-Phase. Sie wird in der älteren Literatur häufig nicht von der Brandenburg-Phase abgetrennt. Die Pommern-Phase ist mit der sehr gut ausgebildeten Pommerschen Eisrandlage nördlich von Eberswalde entwickelt. Der vierte große Vorstoß, das Mecklenburger Stadium mit der Rosentaler Staffel erreichte nur noch Mecklenburg-Vorpommern. Umstritten ist nach wie vor, wie weit das Inlandeis zwischen den einzelnen Stadien nach Norden zurückschmolz. [Bearbeiten] Landschaftsbild im VereisungsgebietDiese letzte Kaltzeit hat durch ihr Vordringen und Zurückweichen des Eises eine vielfältige Jungmoränenlandschaft hinterlassen. Typisch dafür sind frische, gut ausgebildete Formen der Glazialen Serie. Dazu gehören die Urstromtäler mit Talsandflächen, in denen sich Abschnitte der heutigen Flussläufe von Elbe, Oder, Havel und Spree befinden. Zu nennen ist das Glogau-Baruther Urstromtal, das die Brandenburger Eisrandlage entwässerte, das Warschau-Berliner Urstromtal mit der zugehörigen Frankfurter Staffel und das Thorn-Eberswalder Urstromtal, welches die Pommersche Eisrandlage entwässerte.[8] Ein weiteres Relikt aus der Zeit ist die Seenlandschaft der Mecklenburgischen Seenplatte. Auch Brandenburg und das Schleswig-Holsteinische Hügelland (Ostholstein) sind reich an weichselglazialen Seen, so etwa der Plöner See in der Holsteinischen Schweiz. Einige Seen wie der Schweriner und der Ratzeburger See sind in Gletscherzungenbecken entstanden. Ein weiteres Beispiel für den von der Weichselkaltzeit hinterlassenen Formenschatz bietet der Baltische oder Nördliche Landrücken. Er besteht aus lebhaft gegliederten und vielfach hintereinander gestaffelten Endmoränenwällen und begleitet die heutige Ostseeküste bis nach Nordpolen. In Pommern und Masuren werden dabei stellenweise Höhen bis über 300 m NN erreicht, so bei Wieżyca, südwestlich von Danzig 329 m und 312 m südlich von Ostroda. Die höchsten Erhebungen aus dem Pommerschen Stadium sind im deutschen Teil des Nördlichen Landrückens die Helpter Berge. Sie erreichen eine Höhe von 179 m nordöstlich von Neubrandenburg) in Mecklenburg-Vorpommern.[8] [Bearbeiten] Ausklang der WeichselkaltzeitDer Ausklang der bisher jüngsten Kaltzeit in Mitteleuropa ist gekennzeichnet durch den etappenweisen Rückzug des Eisrandes nach Norden. Durch das Abschmelzen des Eises stieg der vorher stark gesunkene Meeresspiegel wieder an, um insgesamt etwa 120 Meter von einem absoluten Tiefstand vor etwa 22.000 Jahren.[9] In einem komplizierten Wechselspiel von Eisstauseen und Meeresvorstößen bildete sich über mehrere Stadien wie den Ancylussee mit dem Baltischen Eisstausee, dem Yoldiameer und dem Littorinameer die heutige Ostsee aus.[7] Dem Rückzug des Eises folgte eine Wiederbesiedlung durch Pflanzen und Tiere. Mit ihrer Nordwanderung gingen verschiedene Siedlungswellen von Jäger- und Sammlerkulturen einher. [Bearbeiten] Siehe auch[Bearbeiten] Literatur
[Bearbeiten] Einzelnachweise
Die Kaltzeiten des Quartärs
Die Kalt- und Warmzeiten des Quartärs in Norddeutschland
Quelle: Wikipedia. Aktualisiert: 05/24/12, 8:13 pm |
Bilder
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