|
Xenonlicht
Xenonlicht bezeichnet bei Kraftfahrzeugen den Einsatz einer Gasentladungslampe im Abblendlicht beziehungsweise Fernlicht.
[Bearbeiten] GeschichteAm Anfang der Entwicklung stand die 1989 von Philips entwickelte D1-Lampe von Osram und Philips, die im Bosch- und Hella-Xenonsystem des BMW E32 und von Hella im Audi V8 verwendet wurde, heute aber nicht mehr produziert wird. Seit 1994 wird die D2-Lampe im Audi A8 und im BMW E38 verwendet, sie wird heute noch in leicht abgewandelter Form produziert. 1991 wurden in einem BMW der 7er-Reihe zum ersten Mal in einem Auto Gasentladungslampen (Bosch) als Xenonlicht angeboten, zuerst ausschließlich als Abblendlicht. Seit 2001 gibt es auch, zuerst im Mercedes CL, Xenon-Fernlicht im sogenannten Bi-Xenon-Scheinwerfer. Dabei wird für das Abblend- und Fernlicht dieselbe Lampe verwendet; es wird eine Blende aus dem Strahlengang geklappt und damit auf Fernlicht „umgeschaltet“. Außerdem gibt es Xenonscheinwerfer mit integriertem Kurvenlicht oder Adaptive-Forward-Lighting-System, bei denen „mittels beweglicher Linsen gegenüber normalen Scheinwerfern eine verbesserte Ausleuchtung der Kurven erreicht“ wird. [Bearbeiten] Verbreitung und Verfügbarkeit2007 waren in Deutschland 30 % der neuen Personenwagen[1] mit Xenonscheinwerfern ausgestattet, laut DAT-Report 2008 ca. 15 % des gesamten Bestandes. Die Ausstattungsrate in den unteren Fahrzeugklassen ist geringer als in der Oberklasse. Bei Bussen im Reiseverkehr ist die Ausstattungsquote bei Neuzulassungen hoch, bei LKW und Linienbussen dagegen gering. Der Einbau dieser Lampen soll aus Sicherheitsgründen nur von geschultem (Werkstatt-)Personal ausgeführt werden. [Bearbeiten] FunktionsweiseZwischen zwei Wolfram-Elektroden der Xenon-Gasentladungslampe brennt ein konzentrierter Lichtbogen. Der extrem kleine Brennraum – ein Glaskolben aus Quarzglas – enthält eine Xenon-Gasfüllung unter hohem Druck sowie Quecksilber (s. u. Unterschiede der Brenner-Kategorien) und Metallsalze – insgesamt weniger als 1 mg. Diese senken vor allem die Farbtemperatur des eher violett leuchtenden Xenons auf die Tageslichtfarbe von etwa 5000 bis 6000 Kelvin ab. Genau genommen ist daher der Xenonbrenner eine Kombination aus Xenon-Gasentladungslampe und Halogenmetalldampflampe. Neuere Varianten kommen ohne Quecksilberanteil in der Füllung aus. Für das Zünden (Einschalten) ist ein Hochspannungsimpuls erforderlich, den eine Zündeinheit über ein elektronisches Vorschaltgerät (EVG, engl. electrical ballast) erzeugt. Das EVG sorgt anschließend für eine Lichtleistungssteuerung. Bei Doppel-Xenon-Scheinwerfern handelt es sich um eine Technik ohne Klappe, das Abblendlicht und das Fernlicht bestehen jeweils aus einem Brenner sowie separaten Linsen oder Reflektoren. Fahrzeuge mit zwei Doppel-Xenon-Scheinwerfern haben also vier Brenner und demnach auch vier Vorschaltgeräte. Die Haltbarkeit von Xenonlampen beträgt etwa das Vierfache der Haltbarkeit von Halogenlampen. Da Xenonlampen Gasentladungslampen sind, lassen sich jedoch defekte Brenner nicht an einem durchgebrannten Glühdraht erkennen. Damit die Gasentladungslampe an Kraftfahrzeugen im Straßenverkehr zum Einsatz kommen kann, muss der bekannt langsame Lichtanlauf beschleunigt werden. Der dafür notwendige Ablauf kann in drei Phasen beschrieben werden:
[Bearbeiten] Technische Einzelheiten
[Bearbeiten] Vergleich Glühlampe/XenonlichtKfz-Xenonlampen sind Linienstrahler (→ Lichtspektrum), deren Linien jedoch durch Druckverbreiterung und Zusatzstoffe fast zu einem Kontinuum verschmelzen. Einige Linien liegen auch im Ultravioletten. Die Mischung der Linien ergibt die scheinbare Farbe – sie ist bläulicher als das Licht von Glühfadenlampen. Glühlampen strahlen ein kontinuierliches Spektrum ab, das weit in den Infrarot-Bereich hineinreicht; eine Glühlampe gibt ca. 85–95 % ihrer Leistung als Wärme ab, nur 5–15 % stehen als Licht zur Verfügung (→ Glühlampe). Das Licht einer Xenon-Lampe wirkt kälter (hohe Farbtemperatur) als das einer Glühlampe, ist jedoch trotz geringerer Leistungsaufnahme heller. Neuere, quecksilberarme Lampen enthalten auch Natrium, was zu einem wärmer wirkenden Licht führt (verringerte Farbtemperatur). Mit der Zusatzbezeichnung „Xenon“ verkaufte Glühlampen besitzen, um das Licht bläulich erscheinen zu lassen, entweder einen auf den Kolben aufgedampfeten Farbfilter (Interferenzfilter) oder der Glaskolben selbst ist aus blauem Glas, um die höhere Farbtemperatur der Xenonentladungslampen etwas nachzuahmen. Die Lichtausbeute wird dadurch nicht erhöht. [Bearbeiten] Unterschiede der BrennerkategorienDie Lampen, auch „Brenner“ genannt, werden in die Kategorien D1 , D1S, D1R, D2S, D2R, D3S, D3R, D4S, D4R und D-H4R eingeteilt. Das Kürzel D steht dabei für Discharge (Entladung), die nachfolgende Ziffer für die jeweilige Entwicklungsversion.
Die Xenonlampe mit dem Kürzel D1 ist der Ur-Xenonbrenner. Nur er hat im Gegensatz zu allen anderen Entwicklungsstufen der automotiven Gasentladungslampen keinen äußeren Glasschutzkolben um das Entladungsrohr. Alle Weiterentwicklungen dieser Xenonlampe haben einen UV-Schutzkolben. Sie sind auch von der Bauform wesentlich stabiler. Sehr oft verwechselt wird die alte D1 mit den heutigen D1-S/R-Brennern, die ein integriertes Zündmodul enthalten. Spricht man heute von einer D1-Lampe, ist in der Regel die aktuelle Bauform gemeint mit dem integrierten Zünder. Als Weiterentwicklung der D1- und D2-Lampen werden seit einiger Zeit D3- bzw. D4-Lampen eingesetzt. Diese Kategorien kommen für eine bessere Umweltverträglichkeit ohne Quecksilber aus.[2] Daher werden sie auch „grüne Lampen“ genannt. Sie können nicht mit den Steuergeräten für D1- oder D2-Lampen betrieben werden, da die elektrischen Parameter (42 V anstelle von 85 V Brennerspannung bei gleicher Leistung) unterschiedlich sind.
Brenner mit der Spezifikation DxS werden in Projektionssystemen verwendet. Sie verfügen über einen klaren Glaskolben. Brenner mit der Spezifikation DxR werden in Reflektorscheinwerfern verwendet. Sie haben einen lichtundurchlässigen Aufdruck (Pinstrip – auch Abschatterlackierung genannt) auf dem Glaskolben. Er dient dazu, die behördlich vorgeschriebene Lichtverteilung zu erreichen. Projektionssysteme sind bei europäischen Herstellern beliebter als Reflexionssysteme, da sie weniger Platz brauchen. [Bearbeiten] Vorteile
[Bearbeiten] Nachteile
[Bearbeiten] Diskussion um XenonlichtXenonlicht ist umstritten; nicht zuletzt, weil es sich die meisten Autohersteller gut bezahlen lassen. Die höhere Lichtausbeute, die größere bestrahlte Fläche und die kontrastverstärkende Wirkung bei guten Sichtverhältnissen sind zweifelsohne die Verkehrssicherheit steigernde Vorzüge, die jedoch zuerst einmal nur dem Fahrer zugute kommen und nur in wenigen Modellen serienmäßig sind. Laut einer Studie des TÜV Rheinland würden sich bei einem flächendeckenden Einsatz von Xenonlicht 50 % der schweren Unfälle bei Nacht auf Landstraßen und 30 % der schweren Unfälle auf Autobahnen (und damit 18 % der Todesopfer) vermeiden lassen.[4][5] Diese Studie basiert auf offiziellen Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen, wurde allerdings von einer Initiative der europäischen Beleuchtungshersteller in Auftrag gegeben und finanziert, ohne dass diese Tatsache in dem veröffentlichten Material offen ausgewiesen wurde.[6] Es wurde nicht ermittelt, ob und wenn ja, wie viele zusätzliche Unfälle wegen Blendwirkung zu erwarten wären. Bei Messung oberhalb der Scheinwerferachse darf Xenonlicht nicht stärker als konventionelles Halogenlicht blenden. Bei fehlerhaft eingestellten Systemen, in bestimmten Fahrsituationen (Fahrt über eine Kuppe oder eine Bodenwelle sowie bei versehentlich eingeschaltetem Xenon-Fernlicht bei Gegenverkehr) liegt die Blendwirkung jedoch deutlich höher als bei klassischen Scheinwerfern, was für einen entgegenkommenden Fahrer als deutlich unangenehmer empfunden wird. Da mehr Licht bei regennasser Fahrbahn auch mehr Blendwirkung bedeutet, geht jede Verbesserung aus Fahrersicht zu Lasten des Entgegenkommenden. Der Verkehrsexpertentag empfiehlt Xenonlicht für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. [Bearbeiten] Vorschriften für den nachträglichen Einbau in Kraftfahrzeuge
[Bearbeiten] Hinweise zur NachrüstungFür alle lichttechnischen Einrichtungen an Kraftfahrzeugen gilt: Die Art der Lichtquelle (z. B. Glühlampe, Halogenlampe, Xenonlampe, LEDs) ist immer Bestandteil der Zulassung. Daraus folgt:
[Bearbeiten] Literatur
[Bearbeiten] Einzelnachweise
[Bearbeiten] WeblinksQuelle: Wikipedia. Aktualisiert: 05/24/12, 8:51 pm |
Bilder
Quelle: Flickr. Twitter
::
Ähnliche Videos
Quelle: Youtube. Neueste Videos
Quelle: Youtube. |





