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Zühlsdorf
Zühlsdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Mühlenbecker Land in Brandenburg und war bis zum Jahr 2003 eine selbstständige Verwaltungseinheit. Der Ort wurde im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt.
[Bearbeiten] Ortsteilgliederung und NachbarorteZühlsdorf wird unterteilt in die sieben Siedlungsbereiche Seefeld, Zühlsdorfer Mühle, Am Bahnhof/Dorf, Fuchswinkel, Zühlslake, Steinpfuhl und Havelland. Zwischen den räumlich voneinander getrennten Siedlungsbereichen befinden sich Wiesen, Felder und Waldstücke. Zühlsdorf grenzt im Norden an Wandlitz (mit der Kolonie Rahmer See), im Osten an Basdorf, im Süden an Summt und im äußersten westlichen Zipfel an Birkenwerder. [Bearbeiten] GeografieDer Ortsteil Zühlsdorf umfasst die Hügellandschaft des Dorfgebietes mit Feldern und Wiesen. Hinzu kommen große Forstbereiche, das als Bahrenbruch bezeichnete Moor und der Lubowsee, der die nördliche Ortsteilgrenze bildet. Des Weiteren fließt ein namenloser Bach durch den Ort und mündet schließlich in die Briese. [Bearbeiten] GeschichteDas Dorf Zühlsdorf wurde 1375 im Landbuch Karls IV. erstmals urkundlich erwähnt. Die erste Holzsägemühle im Ort arbeitete jedoch bereits im Jahr 1335, das damit als Gründungsjahr gilt. Hier siedelten überwiegend Bauern und Mühlenarbeiter, die vom Wasser des Flusses Briese angetriebene Getreide- und zwei Sägemühlen betrieben. Nachdem der Dreißigjährige Krieg und die Pest die Zahl der Einwohner dezimiert hatten, siedelten sich erst nach und nach neue Familien an. Einen wesentlichen Beitrag lieferten die von Luise Henriette von Oranien ins Land geholten Handwerker aus Westfalen, Holland und aus Friesland[1] sowie die hugenottischen Flüchtlingsfamilien. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zählte der Ort zu den ärmsten Dörfern der Mark Brandenburg. Als 1910 die Heidekrautbahn von Berlin nach Liebenwalde eröffnet wurde und Zühlsdorf einen Bahnhof erhielt, entwickelte es sich zu einem gut besuchten Ausflugsort.[2] Die Einwohnerzahlen stiegen, Restaurants und Pensionen entstanden. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde in Zühlsdorf um 1930 ein Areal für die Brandenburgischen Motorenwerke (Bramo) erworben und bebaut. In den Gebäuden wurden Teile für Flugzeugmotoren hergestellt. Das Gelände stand später lange Zeit leer, im Jahr 2007 hat sich hier ein Recyclinghof angesiedelt. In den 1970er-Jahren wurde Zühlsdorf in das Amt Schildow eingegliedert, das durch die große Gemeindegebietsreform im Land Brandenburg im Oktober 2003 aufgelöst wurde. Damit kam der Ort zur neu gebildeten Großgemeinde Mühlenbecker Land im Kreis Oberhavel. Seit 1990 hat sich die Einwohnerzahl fast verdoppelt.
[Bearbeiten] Politik und VerwaltungDer Ortsvorsteher (bis zur Wahl 2008 Ortsbürgermeister) ist Klaus Flemming (Partei DIE LINKE), der bei der Kommunalwahl 2008 wiedergewählt wurde. Er ist gleichzeitig Mitglied der gewählten Gemeindevertretung Mühlenbecker Land und hat seinen Sitz im Gemeindehaus Zühlsdorf (Dorfstraße 26). Stellvertreterin ist Sylvia Erdmannski. [Bearbeiten] VerkehrDie Kreisstraße K6503 und weitere Straßen verbinden die Siedlungsbereiche untereinander sowie den Ort Zühlsdorf mit Wandlitz, Basdorf, Birkenwerder und Summt. Zühlsdorf liegt an der Strecke der Heidekrautbahn (NE 27) und besitzt am nordöstlichen Rand einen Bahnhof. Weitere Beförderungsmöglichkeiten bestehen mit der Omnibuslinie 806 der Oberhavel-Verkehrsgesellschaft mbH nach Schildow[3] und der seltener verkehrenden Linie 891 der Barnimer Busgesellschaft nach Bernau. Zur weiteren Verbesserung des öffentlichen Verkehrs wird im Frühjahr 2010 ein Testbetrieb für ein Nacht-Rufbusprojekt für alle Ortsteile der Gemeinde durchgeführt.[4] [Bearbeiten] Kultur und Sport[Bearbeiten] Denkmale und SehenswürdigkeitenIn der Brandenburgischen Denkmaldatenbank sind die folgenden Anlagen als schützenswürdig enthalten: Dorfkirche Zühlsdorf mit dem gesamten historischen Dorfkern, das 1910 errichtete Bahnhofsempfangsgebäude mit angebautem Güterboden und der Sowjetische Ehrenfriedhof, ein gesondertes Areal auf dem Gemeindefriedhof. Für den Bahnhof ist eine Sanierung und ein barrierefreier Zugang geplant, wofür der Ort vom Brandenburgischen Infrastrukturminister Reinhold Dellmann im Juli 2009 Fördermittel in Höhe von 167.000 Euro erhielt.[5] Darüber hinaus ist eine der wenigen, gut erhaltenen und funktionstüchtigen Sägemühlen – die Zühlsdorfer Mühle – zu erwähnen, die sich in Privatbesitz befindet und nach Voranmeldung besichtigt werden kann. Auf diesem Gelände wurde bereits 1375 eine Mehlmahlmühle betrieben. 1768 errichtete der damalige Mühlenbesitzer August Ladeburg daneben eine Sägemühle. Die Mehlmahlmühle stellte 1900 den Betrieb ein. Ein großer auffälliger Findling am Ortseingang erinnert an die Entstehungszeit des gesamten Gebietes – an die Weichseleiszeit. Der Ortsvorsteher ließ das Gründungsjahr von Zühlsdorf hier einmeißeln. Bei Grabungen im Ort wurde auch ein Rast- und Werkplatz aus der Steinzeit entdeckt, der als Bodendenkmal in der oben genannten Denkmalliste aufgeführt ist.[6] [Bearbeiten] DorfkircheDie Pfarrstelle Zühlsdorf gehörte seit dem 16. Jahrhundert als Tochterkirche nach Zehlendorf, es war eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde. Nach den Zuzügen von Familien aus Holland, Friesland und Frankreich (Hugenotten) kamen Personen mit überwiegend calvinistischem Glauben ins Dorf. Ein mitgereister Pfarrer führte die Gottesdienste durch, der aber wegen Sprachproblemen durch einen anhaltischen Pfarrer des Pfarramtes Zehlendorf abgelöst wurde.[1] Zwischen 1668 und 1696 entstand in gemeinsamer Anstrengung der Lutheraner und der Calvinisten eine einfache Fachwerkkirche und wurde von allen Gläubigen genutzt. Nach mehr als 200 Jahren war dieser Bau nicht mehr standsicher und musste abgerissen werden. Ein notwendiger Kirchenneubau sollte ursprünglich entsprechend dem damaligen Zeitgeschmack als neoromanischer Bau ausgeführt werden, Baupläne waren bereits angefertigt worden. Kirchenanhänger, die eher die alte Kirche bewahren wollten oder einen angepassten Neubau befürworteten, führten mehrere Jahre Auseinandersetzungen mit Gegnern des alten Gebäudes um die Ausführung. Da als Bauherr der preußische Staat auftrat, bestimmter dieser letztlich auch, dass ein einfaches Gebäude im Heimatstil auf einem Feldsteinfundament in Fachwerkbauweise ausgeführt wird. Das neue Gotteshaus kostete etwa 33.000 Mark, an denen sich die Gemeinde nur mit Handlangerdiensten beteiligen konnte und wurde im Herbst 1910 eingeweiht. Der Bau besteht aus einem Hauptschiff mit hohen einfach verglasten Rundbogenfenstern und einem quadratischen Westturm mit Spitzhelm und Kirchturmuhr. Der Kirchenhauptraum ist ein hölzernes Tonnengewölbe und mit einem steilen Ziegeldach abgeschlossen. Die Inneneinrichtung besteht aus der Kanzel mit Schalldeckel und einem verzierten Kastensitz (beide aus dem Vorgängerbau) sowie einem Altartisch und einer Taufschale. Auf der hölzernen Empore steht eine (inzwischen defekte) Orgel aus der Werkstatt des Orgelbaumeisters Friedrich Hermann Lütkemüller aus Wittstock/Dosse aus dem Jahr 1882. Die schlichte Innenausstattung berücksichtigt auch die Vorstellungen des Kalvinismus.[7] Die Kirche steht direkt an der Hauptstraße; sie konnte um die Wende zum 21. Jahrhundert saniert und frisch verputzt werden.[8] Die Kirche wird außer für kirchliche Zwecke regelmäßig für Konzerte von Solisten oder Gesangsdarbietungen genutzt. Die Kirchenmitglieder gehören zur Kirchengemeinde Basdorf – Wandlitz – Zühlsdorf, die im Evangelischen Kirchenkreisverband Eberswalde zusammengeschlossen ist.[9] [Bearbeiten] FesteIm Jahr 1999 wurde ein Heidefest begründet, das seitdem jährlich über drei Tage im Sommer stattfindet. Die Teilnehmer wählen eine Heidekönigin oder einen Heidekönig. Das Programm ist sehr vielfältig und bietet von Kindern bis zu Senioren Abwechslungsreiches.[10] Die Kindereinrichtungen organisieren darüber hinaus auch regelmäßig Kinderfeste, zum Beispiel einen Lampionumzug oder Wettspiele. [Bearbeiten] SportZühlsdorf verfügt seit 1951 über eine Sportgemeinschaft (SG), deren Mitglieder in den Sportarten Fußball, Volleyball und Kinderleichtathletik aktiv sind.[11] [Bearbeiten] Wirtschaft[Bearbeiten] Ansässige UnternehmenSeit 2007 gibt es auf der Fläche der Bramo-Werke die Recyclingfirma Hoffmann Container und Selbstlader GmbH. Außerdem verfügt der Ort über die Elektrogeräte- und Montagefirma Schlecht, die sich auf Solaranlagen spezialisiert hat. Des Weiteren sind der Anglerverein Lubowsee e.V. und ein Reiterhof vorhanden. Das Gewerberegister enthält darüber hinaus einen Bäcker, eine Post, einen Drogeriemarkt und ortsansässige Dienstleister wie einen Bauservice[12], eine Tischlerei, einen Dachdecker, einen Friseur, Arztpraxen, eine Autoreparaturwerkstatt, einen Abschleppdienst, einen Rechtsanwalt, eine Tierpension, Künstler- und Versicherungsagenturen und Garten- und Landschaftsarchitekten. Über eine ungewöhnliche Firma berichtete im Juli 2009 das rbb-Inforadio: „Nie gesehene Gärten“.[13] Direkt in Zühlsdorf sind noch eine Ortsgruppe der Volkssolidarität, ein Kleingarten- und Siedlerverein sowie das Sozialnetz Berlin-Brandenburg e.V. – Zühlsdorfer Tisch angesiedelt.[14] [Bearbeiten] Beherbergungswesen und Gastronomie
Ansichtskarte des Gasthauses „Zur Riesen-Linde“ (mit Ausspannung, Kegelbahn, und Patzenhofer-Ausschank), um 1910
An der Zühlsdorfer Mühle befindet sich seit langem ein Camping- und Caravanplatz und der Verein Sterntaler e.V. betreibt ein Jugendgästehaus.[15] Ferienhäuser und Ferienwohnungen machen das Übernachtungsangebot für Gäste des Ortes komplett. Die Zühlsdorfer Försterei unterhält ein Wildgehege mit Rot- und Damwild. Direkt im Ort bieten die Gaststätten Heidekrug[16] und Zum Lindenwirt preiswerte regionale Gerichte. Sommers bietet ein Eiscafé seine Dienste an, in den übrigen Siedlungsbereichen kommen noch Imbissangebote hinzu.[17] Das Ausflugslokal Zum Gemütlichen Waldhasen wurde um 1930 in einer kleinen Villa eingerichtet, in den letzten Jahren der DDR war es geschlossen. Im Jahr 1990 eröffnete die Familie König das im Landschaftsschutzgebiet Briesetal befindliche Restaurant wieder.[18] Nach anfänglichen Überlegungen der Wirtsleute sich zur Ruhe zu setzen, haben sie sich entschlossen, das historische Lokal weiter zu betreiben.[19] [Bearbeiten] Bildungs- und öffentliche EinrichtungenBis 1995 hatte Zühlsdorf eine eigene Grundschule, seitdem besuchen alle Schüler Schulen in den umliegenden Ortschaften, meist in Mühlenbeck. In Zühlsdorf gibt es die kommunale Kita Schneckenhaus (für 85 Vorschulkinder)[20], die privat geführten Kitas Gänseblümchen und Sonnenschein[21] Ein kommunaler Spiel- und Bolzplatz für Kinder und Jugendliche ist in Planung und wird wahrscheinlich 2013 gebaut. Seit 2007 können die Jugendlichen des Ortes einen Jugendclub nutzen, der auf dem Gelände neben dem Mehrzweckgebäude (Dorfstr. 35a) neu errichtet wurde. Im Mehrzweckgebäude selbst gibt es einen mittelgroßen Saal/Raum für bis zu 80 Besucher, mit Küche und modernen Toiletten. Der Raum wird für Versammlungen, Ausstellungen, Literaturveranstaltungen, und Filmvorführungen rege genutzt. Darüber hinaus dient der Raum vielen von der Ortsgruppe der Volkssolidarität organisierten Arbeitsgemeinschaften (Gesundheitssport, Tanzgruppe, Skat- und Spiele-Nachmittage, Kreativ-Zirkel und Fotografie) sowie einer privaten Yoga-Gruppe. Ein Sozialverein gibt regelmäßig einmal wöchentlich gespendete Lebensmittel an Personen in prekären Lebensverhältnissen aus (Tafel). Darüber hinaus kann der große Saal für Familienfeiern, Jugendweihen und Jubiläen aller Art bestellt werden. Im Gemeindehaus Dorfstraße 26 (bis 2007 auch als Bürgerhaus bezeichnet) befinden sich die Bürgermeisterei, ein kleines Büro für die beiden Gemeindearbeiter und Räumlichkeiten für die öffentliche Gemeindebibliothek. Die obere Etage wurde 2007 saniert und beherbergt Aufenthalts- und Schulungsräume der Freiwilligen Feuerwehr. Die Freiwillige Feuerwehr Zühlsdorf gehört zusammen mit Schönfließ, Mühlenbeck und Schildow zu einem Einsatzbereich. Sie verfügt über eine eigene Löschgruppe mit zwei Einsatzfahrzeugen, stationiert im Feuerwehrhaus in der Dorfstraße 25. Zusätzlich wird über eine Jugendfeuerwehr der Nachwuchs herangebildet.[22] In der Birkenwerderstraße (in der Nähe des Findlings an der Gabelung Basdorfer Straße) befindet sich ein kommunaler Friedhof. [Bearbeiten] Persönlichkeiten
[Bearbeiten] Literatur
[Bearbeiten] Weblinks[Bearbeiten] Einzelnachweise
Quelle: Wikipedia. Aktualisiert: 05/24/12, 8:55 pm |
Bilder
Quelle: Flickr. Twitter
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