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Zündapp
Zündapp Z300 von 1930 im Zweirad-Museum Neckarsulm
Zündapp-„Volkswagen“ (Porsche Typ 12) von 1932, Rekonstruktion im Museum Industriekultur (Nürnberg)
GS 50 von 1966 im Zweirad-Museum Neckarsulm
Die Zünder-Apparatebau-Gesellschaft m.b.H. (letzte Firma: Zündapp-Werke GmbH) war einer der großen deutschen Motorradhersteller in der Zeit von 1917 bis 1984 und Teil der Nürnberger Motorradindustrie. Nach Verkauf des Nürnberger Werkes im Jahr 1958 wurde der Firmensitz in das Anfang der 1950er Jahre gebaute Werk München verlegt.
[Bearbeiten] GeschichteFritz Neumeyer, der Großvater des letzten Unternehmenschefs, begann zuerst mit der Fabrikation von Dampfmaschinen und Spielwaren. Zusammen mit der F. Krupp AG (Essen) und der Uhren- und Werkzeugmaschinenfabrik Gebr. Thiel (Ruhla) gründete Neumeyer 1917 in der Lobsingerstraße 8 in Nürnberg die Zünder-Apparatebau-GmbH, die 1918 in seinen Alleinbesitz überging. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Wegfall des Rüstungsgeschäfts wurden verschiedene technische Geräte ohne besonders großen Erfolg gefertigt. Nach der Berliner Automobil- und Motorradausstellung 1921 beschloss Neumeyer, sich auf die Produktion praktikabler Gebrauchsmotorräder zu konzentrieren. Durch Fließbandfertigung konnte er mit der Z 22 die erste Maschine preiswert auf den Markt bringen und baute 1500 Stück dieses Motorrades bis 1922. 1928 wurde ein neues Werk in der Nürnberger Dieselstraße gebaut. Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens wurde auch durch Neumeyers Tod 1935 nicht aufgehalten, Ende der 1930er-Jahre war Zündapp eine der fünf bedeutendsten Motorradfabriken in Europa. Diese Motorradproduktion wurde betrieben, bis das Unternehmen im August 1984 in Konkurs ging. Die Produktionsanlagen von Zündapp wurden an die Tianjin Motorcycle Co. in China verkauft, wo mit den Einrichtungen noch einige Jahre produziert und auch das Zündapp-Zeichen verwendet wurde. Auch in Portugal existierten Produktionseinrichtungen; die Gesellschaft CASAL produzierte unter der Leitung eines ehemaligen Zündapp-Mitarbeiters fast identische Zündapp-Motoren, die vom Werk autorisiert waren. Bis in die 1990er-Jahre hinein wurden dort noch Zündapp-Konstruktionen, Mopeds und Kleinmotorräder gefertigt. Die Produktion von Motorrädern und Mopeds bildete über den gesamten Zeitraum das Hauptgeschäft. Es wurde jedoch mehrfach versucht, in die Automobilherstellung einzusteigen. Bereits 1924 sollte in München-Freimann in Lizenz ein Kleinwagen des englischen Herstellers Rover gebaut werden. Im Mai 1931 wurde der Presse wieder ein Projekt angekündigt. Es sollte ein 4-sitziger Personenwagen gebaut werden. Erstmals tauchte hier die Bezeichnung „Volkswagen“ auf. Nach nur drei gebauten Musterwagen wurde das Projekt des Porsche Typ 12 jedoch abgebrochen. (Siehe auch: VW Käfer) 1933 baute Zündapp einen vierrädrigen Schnell-Lieferwagen mit einem 400-cm³-Zweizylinder-Boxermotor und Hinterradantrieb, später wurde dieser gegen einen 500-cm³-Motorradmotor getauscht. Konstrukteure dieses Fahrzeugs waren Richard und Xaver Küchen. 1958 stellte Zündapp ein zweitüriges Coupé mit einem Climax-Motor vor. Die Karosserie stammte von Pininfarina. Nach Präsentation weiterer Automobil-Prototypen in den frühen 1950er-Jahren gab es 1957/1958 eine Serienproduktion von Zündapp-Autos: Über 6000 Exemplare des viersitzigen Kleinwagens Janus wurden hergestellt – für einen wirtschaftlichen Erfolg zu wenig. Zündapp fertigte neben Motorrädern vielerlei daran angelehnte Produkte. Neben dem wirtschaftlich erfolglosen Janus-Auto wurden insbesondere Bootsmotoren, Nähmaschinen und Rasenmäher erfolgreich verkauft; diese Produkte genossen einen guten Ruf. Nach dem Konkurs von Zündapp wurden in der Volksrepublik China noch größere Mengen KS-80-Motoren für Pumpen und Generatoren produziert. Das Unternehmen brachte 1950 eines seiner bekanntesten Modelle heraus: die KS 601 mit Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor erhielt wegen der meist grünen Lackierung schnell den Beinamen „Grüner Elefant“. Mit den sinkenden Absatzzahlen auf dem westdeutschen Motorradmarkt stellte Zündapp bereits 1957 die Produktion dieser sehr beliebten Maschine ein, die trotz ihrer guten technischen Qualität als zu groß, zu schwer und zu teuer bewertet wurde. Zuletzt wurden noch Exemplare mit modernisiertem Fahrwerk in die USA exportiert. Der Name „Grüner Elefant“ jedoch lebt weiter im Elefantentreffen, das nach diesem Motorrad benannt wurde und immer noch jährlich stattfindet. Bei der auch als „Wehrmachtsgespann" bekannten Zündapp KS 750 liegen die Zylinder des Motors in einem Winkel von 170°, wodurch sich eine größere Bodenfreiheit unter den Zylindern ergibt. Nach Beendigung der Produktion von Viertaktmaschinen konzentrierte sich der Sohn des Unternehmensgründers, Hans-Friedrich Neumeyer, ab den 1950er-Jahren auf hochwertige, alltagstaugliche kleine Zweitaktmaschinen mit hoher Lebenserwartung. Die Geschäfte liefen gut: Der Marktanteil von Zündapp bei deutschen Motorzweirädern bis 100 cm³ belief sich 1967 auf 33 Prozent; das Werk hatte 1700 Beschäftigte. Mit der 1978 eingeführten Helmpflicht für Moped- und Mokickfahrer gingen die Verkaufszahlen jedoch stetig zurück und brachen mit Einführung der Mofa-Prüfbescheinigung ab 1980 völlig ein. Zusätzlich verkaufshemmend waren bei den Kleinkrafträdern die hohen Haftpflichtversicherungsprämien von ca. 450,– DM/Jahr (1974, entspricht nach heutiger Kaufkraft und inflationsbereinigt 620 Euro[1]) bis hin zu ca. 780,– DM/Jahr (1982, entspricht heute 730 Euro). Die Entwicklung der Zweitaktmaschinen war dabei langsam und nicht den Modetrends folgend. Zwar waren die Fahrzeuge äußerst hochwertig, so wurden etwa bereits 1976 elektronische Zündanlagen statt Kontaktzündungen eingesetzt und hochwertige, überdimensionierte Bremsanlagen und Kühlsysteme benutzt. (Beispiel: Die Scheibenbremsanlagen der Marke Brembo von Zündapp KS 175 und BMW R 80 des Baujahrs 1980 sind identisch). Andererseits nahm man wenig Rücksicht auf den Geschmack, die Eitelkeiten und Probleme der Kundschaft. Auch im letzten Baujahr wurden noch manuell zu betätigende Benzinhähne, Kickstarter, Ziehkeilschaltung und ein 25 Jahre altes Design verwendet. Argumente dafür waren die höhere Betriebssicherheit und das geringere Gewicht. Die Kundschaft kaufte inzwischen lieber großvolumige japanische Viertakter, die kaum praktische Vorteile hatten und trotz hoher Wartungskosten weniger haltbar als die kleinen Zweitakter waren. Allerdings trafen diese Maschinen in Design und Image den Nerv der Kundschaft. Und sie waren nur wenig teurer als die hochwertigen Maschinen von Zündapp. Die Geschichte Zündapps über den Verlauf von fast 70 Jahren zeigt exemplarisch den Aufstieg und Niedergang eines deutschen Unternehmens, das von einem ehrgeizigen und antriebsstarken Gründer aufgebaut und erfolgreich durch Kriegswirren geführt wurde, um dann an einer Tendenz zum Automobil und der zweiten Motorradkrise zu scheitern. Neben BMW existieren heute nur noch MZ und Sachs sowie inzwischen wieder Kreidler als deutsche Hersteller von Motorrädern, wobei sich Sachs in malaysischem Besitz befindet. In den 1960er-Jahren wurden Lizenzen an die portugiesischen Unternehmen Casal und Famel vergeben, wobei die Zusammenhänge zwischen Casal und Famel fließend sind. Produkte von Casal wurden unter den Namen Solo und Mars in Deutschland über Versandhäuser vertrieben. Hier wurden verbesserte, aber nicht baugleiche Teile mit Zündappbasis auf dem deutschen Markt verkauft. Famel baute Zündappteile wie Motoren, Räder, Antriebsteile, Bremsen der jeweilig aktuellen KS-50-Zündappmodelle in ihre Fahrzeuge ein; diese Fahrzeuge wurden aber nur auf dem iberischen und französischen Markt vertrieben. Viele der noch heute vertriebenen Motorenersatzteile und Zubehörteile stammen aus der Produktion des Famel-Konzerns. Der Famel-Konzern fertigte auch Fahrzeuge mit Teilen des Konkurrenzunternehmens Sachs unter dem Namen S.I.S. nur für den iberischen Markt. 1974 wurde zusammen mit Royal Enfield eine Produktion in Ranipet/Indien eröffnet, wo die CS 25, ein Mofa, noch bis in die 1990er-Jahre produziert wurde. Nach der Übernahme von Royal-Enfield durch die indische Gruppe Eicher Goodearth wurde das Werk geschlossen. Am 10. August 1984 musste Dieter Neumayer (* 1931, † 1989; Geschäftsführer seit 1971 und Enkel des Unternehmensgründers), den Vergleich anmelden.[2] Dieser führte zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 20. September gleichen Jahres. Am 26. Oktober 1984 wurden die Produktionsanlagen von einem chinesischen Unternehmen für 16 Millionen DM (8,2 Millionen Euro) erworben und in die Volksrepublik China verschifft. Eine Ausstellung zur Unternehmensgeschichte von Zündapp findet sich im Museum Industriekultur in Nürnberg; dort ist auch ein 1:5-Modell des Zündapp-Volkswagens zu sehen. Auch über 25 Jahre nach dem Konkurs des Unternehmens zählen Zündapp-Fahrzeuge zum Straßenbild in Deutschland. International gibt es nach wie vor viele begeisterte Zündapp-Fans, die in zahlreichen Clubs organisiert sind. Die bayerische Rockband „Gsindl“ setzte den Zweirädern mit dem Stück Zündapp fahr'n ein musikalisches Denkmal. [Bearbeiten] Modelle[Bearbeiten] PKW und Dreiräder
[Bearbeiten] Motorräder und -roller
[Bearbeiten] Mofas, Mopeds, Mokicks, Kleinkrafträder (50 cm³), alle mit Zweitaktmotoren (alphabetisch)
[Bearbeiten] Leichtkrafträder (80 cm³)
[Bearbeiten] RasenmäherAb Anfang der 1970er-Jahre versuchte Zündapp neue Absatzmärkte zu erschließen und entschloss sich zum Bau hochwertiger Rasenmäher, welche ausschließlich über den Zündapp-Fahrzeug-Fachhandel verkauft und betreut wurden. Ihr unverwechselbares Markenzeichen war ein leuchtend-gelbes Chassis mit knallig-roten Rädern und knallig-roter Motoreinheit. Im Gegensatz zu der bis dahin üblichen Baumarkt-Ware waren diese hochpreisigen Mäher zur damaligen Zeit allesamt sehr innovativ, sowohl von der Technik her als auch vom Design. Durch ein niedriges Drehzahlniveau und großvolumige Schalldämpfer waren selbst die Modelle mit Verbrennungsmotor vorbildlich leise. Das verwendete Zweitaktprinzip kam zudem mit minimalem Wartungsaufwand (kein regelmäßiger Ölwechsel) aus. Wahlweise gab es Modelle mit elektronischen Zündanlagen, Radantrieb oder sogar Elektrostarter. Infolge der zündapptypischen Preislage und des dünnen Händlernetzes war Zündapps geplantem zweiten Standbein jedoch ein nur mäßiger Erfolg beschieden.
Alle Zündapp-Rasenmäher mit Verbrennungsmotor verfügen über eine Membran-Einlasssteuerung. Ihr Laufgeräusch erinnert stark an das Motorrad Zündapp KS 175. [Bearbeiten] Bootsmotoren
[Bearbeiten] Flugmotoren
Zündapp Z 9-092 im Technikmuseum Hugo Junkers Dessau
1936 bekam Zündapp vom Reichsluftfahrtministerium den Auftrag, einen leistungsfähigen Flugmotor zu entwickeln. Ernst Schmidt konstruierte einen luftgekühlten Reihenvierzylinder mit hängenden Zylindern und zwei Liter Hubraum, der die Bezeichnung Zündapp Z 9-092 erhielt. Dieser erfolgreiche Motor mit 50 PS Startleistung wurde in Klemm Kl 105, Gotha Go 150, Bücker Bü 180, Siebel Si 202B, Fieseler Fi 253 verwendet. Konstruktionsdetails dieses Motors fanden sich im Einzylinder-Motorradmotor der Zündapp DS 350 wieder. [Bearbeiten] „Zündapp“ als VertriebsmarkeEnde der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre wurde ein Restbestand an Horex-Imperator-Motorrädern von einem US-amerikanischen Importeur unter der Bezeichnung „Zündapp“ und mit Zündapp-Emblemen am Tank in den USA vertrieben. [Bearbeiten] Museen[Bearbeiten] Mattes Zündapp-Museum in SigmaringenZwischen 2007 und 2008 entstand in Sigmaringen in Baden-Württemberg in der ehemaligen Flaschenfüllerei der Brauerei Zoller-Hof das Zündapp-Museum.[7] Zwei Millionen Euro investierte die Brauerei in das neue Museum, es beherbergt rund 100 Exponate der Marke Zündapp und ist damit derzeit die weltweit größte Zündapp-Sammlung und in dieser Form einzigartig.[8] Grundstein für das Museum bildete die Sammlung von Adolf Mattes, Zündapp-Sammler aus Königsheim auf dem Heuberg im Landkreis Tuttlingen. Er hat in den vergangenen 50 Jahren eine große Sammlung von Motorrädern und Nähmaschinen sowie dem Kleinwagen „Janus“ zusammengetragen. Offiziell eröffnet wurde das Mattes Zündapp-Museum zum alljährlichen Hoffest am 8. Juni 2008. Bis auf drei noch fehlende Exponate an Motorrädern konnte die Brauerei alles Wichtige erwerben. Auch im Bereich der Nähmaschinen und Außenborder sowie dem Stromaggregat der Marke Zündapp haben sie die wichtigsten Stücke. Die Flugmotoren kommen später noch hinzu.[9] Zu sehen sind unter anderem das erste Zündapp-Motorrad aus dem Jahre 1921 und ein sehr gut erhaltenes Wehrmachtsgespann aus dem Zweiten Weltkrieg. [Bearbeiten] Zündapp-Motorradmuseum in KönigswiesenIn Königswiesen in Oberösterreich befindet sich das Zündapp-Motorradmuseum. Im Innenhof des Heimathauses Königswiesen wird im Museum die Geschichte von Zündapp gezeigt. Das Herzstück der Ausstellung bildet eine umfangreiche Sammlung alter Motorräder. Die Modelle KS 500, KS 600, K 800, KS 750 und KS 601 sind unter anderem zu sehen. [Bearbeiten] Literatur
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
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